Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe
 
 

Statement Manfred Woltmann, Präsident des Landesverbandes des Kfz-Gewerbes Niedersachsen-Bremen  

                                          - Es gilt das gesprochene Wort -

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich freue mich, Sie heute in doppelter Funktion begrüßen zu können:

Einerseits als Hausherr von Woltmann Bremen Motors, andererseits als der Präsident des Kraftfahrzeuggewerbes Niedersachsen-Bremen. Quasi ein Heimspiel für mich.

Dies ist unsere erste Jahrespressekonferenz - Herr Hösel sagte es eingangs - mit den Branchenkennzahlen für ein Autojahr, dem ich im statistischen Vergleich immer den Stempel "Achtung Sonderkonjunktur" geben werde. Realistisch wird es sein, dass Jahr 2008 und sogar das Jahr der letzten Mehrwertsteuer-Erhöhung, 2007, als Vergleich für das laufende Jahr heranzuziehen.

2009 war ein Ausnahmejahr, in dem wir es in Bremen und Bremerhaven, dem bekannter maßen kleinsten Automarkt in Deutschland wieder geschafft haben, ein Euro-Umsatz-Milliardär zu bleiben.

Unsere Bilanz birgt einige Überraschungen und ich will am Anfang unseres Pressegesprächs den Pressetext autorisieren, weil ich - ihr Einverständnis vorausgesetzt - schon im Interesse der Zeit nicht alle Zahlen kommentieren und wiederholen werde.

Beim ersten Blick auf die Umsätze fällt auf, dass es trotz des Booms mit einem Plus von 11 Prozent bei den Neuzulassungen einen erheblichen Umsatzrückgang von 5,2 Prozent auf rund 531 Millionen Euro gegeben hat. Im Jahr 2008 waren dies 560 Millionen Euro.

Der Grund ist höchst einfach: Der durch die Prämie ausgelöste Boom hat sich vor allem in den kleinen Modellsegmenten niedergeschlagen. Folglich ist auch der durchschnittliche Preis eines Neuwagens im Ausnahmejahr um rund 4.000 Euro auf 22.730 Euro gesunken.

Dies ist ohne Frage ein starker Trend zu den kleinen, grünen Autos - wobei ich das Grün als Synonym für umweltfreundlich und verbrauchsgünstig nehme. Es ist eine von der Ausnahme geprägte strukturelle Veränderung, denn in keinem Autojahr gab es im Modellsegment der Minis und Kleinwagen Zuwächse von 86, beziehungsweise 75 Prozent, während in der Mittel- und Oberklasse Rückgänge von 15 und 16 Prozent zu registrieren waren.

Diese Relationen werden, davon bin ich überzeugt, in diesem Autojahr wieder in die Normalität versetzt. Ein Trend indes ist in allen Klasse ungebrochen: Der Autofahrer kauft Modelle mit dem Anspruch auf Umweltfreundlichkeit, Sicherheit, Komfort und Sparsamkeit.

Zurück zu den Umsätzen im Pkw-Markt. Das Geschäft mit Gebrauchtwagen war 2009 positiv. Der klare Gewinner im Gebrauchtwagenmarkt 2009 in Bremen und Bremerhaven war der Markenhandel, der sowohl im Marktanteil um zwei Prozentpunkte auf 40 Prozent und beim Umsatz um 6,8 Prozent auf knapp 200 Millionen Euro zulegte. Wo es Gewinner gibt, gibt es Verlierer. In diesem Fall ist es der Privatmarkt. Sein Marktanteil sank um drei Prozentpunkte auf 41 Prozent und der Umsatz rutschte um 15,6 Prozent auf 83 Millionen Euro ab. Dazwischen liegt der reine Gebrauchtwagenhandel mit 19 Prozent Marktanteil und einem Umsatz von 55 Millionen Euro. Macht zusammen 339 Millionen Euro, 4 Millionen weniger im Gesamtmarkt als 2008.

Mit der Umsatz-Milliarde ist das Kraftfahrzeuggewerbe in Bremen und Bremerhaven durchaus eine volkswirtschaftliche Größe. Dennoch wachsen nach diesem Jahr der Ausnahme und der Sonderkonjunktur keine Blütenträume in den Himmel. Der Liquidität und der Umsatzrendite vor Steuern hat die Sonderkonjunktur gut getan, sie hatte keine nachhaltigen Auswirkungen auf die noch immer zu geringe Eigenkapitalquote im Autohandel und Autoservice.

Allein diese Aussage rechtfertigt die Planungen und Überlegungen, zukünftig die Vertragspartnerschaft mit Automobilhersteller neu zu definieren. In unserem Verband hat dieses Projekt den Namen "Neues Geschäftsmodell". An der vertraglichen Partnerschaft wird nicht gezweifelt, lediglich die Risiken und Lasten müssen perspektivisch gerechter verteilt werden. Das Stichwort Leasing und Leasingrestwerte können wir in der Diskussion vertiefen.

Ich will jetzt lediglich anfügen, dass 2010 auch deshalb für die Branche noch ein schwieriges Jahr wird, weil neben dem erwarteten Rückgang - keiner in unserer Branche kann ernsthaft von kumulativen Steigerungen ausgehen - bei den Pkw-Verkäufen die Verluste aus dem Leasinggeschäft hoch sind. Dies ist zum Teil besorgniserregend.

Lassen Sie mich, bevor ich das Wort an Herrn Engelke für die Bereiche Service, Arbeitsmarkt, Ausbildung und Elektro-Mobilität gebe, einen Ausblick wagen.

Der Automarkt in Bremen wird dank der gering genutzten Umweltprämie nicht so tief fallen können, weil wir nicht so hoch gestiegen sind. In anderen Bundesländern - Sie sehen die Zahlen im Pressetext - sieht dies bedrohlicher aus.

Wenn auch die Witterung noch keinen Frühling erkennen lässt, wir hoffen auf den Auto-Frühling, der in der zweiten Märzhälfte und vor allem im April eintreffen sollte. Dies sind die traditionell stärksten Automonate eines Jahres. Ich nehme nur mal die Monate März und April des Autojahres 2008 als Beispiel:

Zusammen gab es damals rund 11.000 Autokäufe in den beiden Monaten, davon 7.265 gebrauchte und 3.743 neue Pkw. Es wird schwer genug, dieses Ziel zu erreichen.

Das zeigen die Ergebnisse aus den ersten beiden Monaten. Beim Neuwagenverkauf sind wir mit einem Minus von 14,2 Prozent besser als der Bund. Dort gab es 30 % Rückgang. Allerdings stellen uns die 2.543 Verkäufe neuer Pkw nicht zufrieden. Unzufrieden sind wir auch mit dem addierten Ergebnis aus Januar und Februar für gebrauchte Pkw. 5.485 Fahrzeuge (Vorjahr: 6.937) entsprechen einem Rückgang von 20,9 Prozent. Dies tut weh, denn schon 2009 war das Gebrauchtwagengeschäft insgesamt auf niedrigem Niveau.

Doch den Kopf in den Sand stecken zu wollen - das kennen Sie - gilt nicht. Wer dies tut, knirscht bekanntlich mit den Zähnen. Wir bleiben zuversichtlich.

Beim Jahresergebnis insgesamt sind wieder 38.000 bis 39.000 gebrauchte Pkw möglich, bei den Neuzulassungen, befürchte ich, ist die 20.000-Marke das Maß aller Dinge. Wir bleiben aber zuversichtlich, denn eines hat immer Konjunktur: der Wunsch nach individueller Mobilität mit einem Automobil. Zunächst aber konstatieren wir, dass es auch für den Pkw-Markt in Bremen Bremsspuren gibt, ebenso aber auch Chancen, die wir als mittelständische Branche selbst in der Hand haben.

Danke für Ihre Aufmerksamkeit.

Statement Günter Engelke

Statement Günter Engelke,  stellvertretender Obermeister der Innung des Kfz-Techniker-Handwerks Bremen.

- Es gilt das gesprochene Wort -

Sehr geehrte Damen und Herren,

lassen Sie mich das Stichwort Chancen gleich aufgreifen. Es gibt sie, die neuen Chancen in alten Märkten, die dem marginal unter Druck geratenen Servicegeschäft in den Kfz-Meisterbetrieben in Bremen und Bremerhaven Impulse geben können.

Zunächst aber zur Bilanz 2009:

Der Serviceumsatz ist geringfügig um ein Prozent auf rund 225 Millionen Euro gesunken. Bei einem Fahrzeugbestand von knapp 300.000 Fahrzeugen ein Volumen  im bundesweiten Trend. Indes merken wir, dass das Servicevolumen durch eine gegenläufige Entwicklung sinkt: Hier längere Serviceintervalle, da geringere Fahrleistungen. Dies ist eine permanente Entwicklung, die aus Verbrauchersicht erfreulich ist., denn der Serviceaufwand pro gefahrenen Kilometer wird geringer.  Ende April kommt der neue Report der Deutschen Automobil Treuhand heraus, der diese Entwicklung exakt untersucht.

Wir haben im Servicegeschäft noch Luft nach oben: Beispielsweise beim Reifengeschäft, beim so genannten Service Smart-Repair, Stichwort Parkplatz-Rempler oder das eine oder andere Hagelkörnchen,  und vor allem auch im Glasgeschäft.

Hier wollen wir in diesem Jahr noch spürbar wachsen und wir werden mit den technischen Unterstützungen unseres Verbandes das Angebot stärker herausstellen als bisher. Ich zeige Ihnen den Markt mit dem Auto-Glas an ein paar Zahlen auf:

- Pro Jahr gibt es in Deutschland rund 3,5 Millionen Glasschäden, hochgerechnet für Bremen und Bremerhaven also über 30.000 Schäden (Es kommt jetzt auch darauf an, wie schnell der Split von unseren Straßen verschwindet) mit einem geschätzten Volumen von etwa 35 bis 40 Millionen Euro.

- 35 % dieses Geschäftes haben im Bundesdurchschnitt (Für Bremen liegen leider noch keine Zahlen vor) Vertragswerkstätten, 10 Prozent freie Werkstätten, 10 Prozent Werkstattketten und 45 % Spezialbetriebe.

Das bundesweite Ziel, kurzfristig die 50 Prozent-Marke zu überschreiten, sollte auch mit dem Beitrag aus Bremen in diesem Autojahr machbar sein.

Wir haben im benachbarten Niedersachsen die ersten Unternehmen, die im Zuge der Qualifizierungsoffensive den Service als "Fachbetrieb für historische Fahrzeuge" aktiv anbieten. Dieses Geschäft unterliegt keinen konjunkturellen Schwankungen und das Volumen der Oldtimer und Youngtimer steigt weiterhin. Dies dürfte, wenn auch in einer Nische, in Bremen interessant werden.

Beim Thema Smart-Repair sind wir als Branche bereits gut aufgestellt, doch wir müssen viel stärker als bisher in die Marketing-Offensive. Ein Beispiel: Die Reparatur eines Brandloches auf dem Beifahrersitz für, sagen wir mal, 80 bis 120 Euro ist für den Leasingnehmer allemal günstiger als  der finanzielle Verlust bei Fahrzeugrücknahme von etwa 800 Euro.

Manchmal, meine Damen, meine Herren, baden wir auch das aus, was uns andere einbrocken: Stichwort Russpartikel-Filter und Umweltzone. Es ist ein großes Ärgernis, dass wir noch immer hohe Lieferzeiten - rund sechs Wochen - für einige Partikelminderungssysteme haben und es ist ein noch größeres Ärgernis, dass es für einen unverändert großen Anteil keine Angebote gibt.

In diesem Zusammenhang eine Anmerkung: Wir warten dringend auf die im Koalitionsvertrag angekündigte Entscheidung, auch im gewerblichen Bereich bei leichten Nutzfahrzeugen den nachträglichen Einbau von Filtersystemen finanziell zu fördern.

Ich will die Themen Elektro-Mobilität und dritte EU-Führerschein-Richtlinie ansprechen.  Wir sind als Verband assoziiertes Mitglied in der Modellregion Oldenburg/Bremen, wir haben mit der Weiterbildung für die Arbeiten an Hochvoltanlagen unsere handwerklichen Hausaufgaben für den Service an Elektrofahrzeugen bereits gemacht.

Doch Elektro-Mobilität erfordert in der Diskussion heute eine realistische Einschätzung, dass es vielerorts zum einen an der Infrastruktur fehlt, zum anderen aber trotz aller Botschaften von den Automessen noch keine - aus Sicht des Verbrauchers - bezahlbare Elektromobilität gibt.

Aus diesem Dilemma darf die Politik aber nicht rausfahren wollen mit Subventionen und der Benachteiligung der Autofahrer mit Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren. Elektro-Mobilität wird unserer Überzeugung nach eine sogenannte Ergänzungsmobilität - vielleicht dann mit Wechselkennzeichen - mit Schwerpunkten in den Städten.

Zur Führerschein-Richtlinie. Wir haben Senator Dr. Loske angeschrieben und ein Engagement für die neue Richtlinie gewünscht. Wir wollen den Pkw-Führerschein für das Motorrad bis 125 ccm, wir wollen das Kleinkraftrad  mit Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h ab dem 15. Lebensjahr. Dies sind auch konjunkturelle Impulse, die eine gebeutelte Zweiradbranche dringend braucht.

Abschließend das Thema Ausbildung und Arbeitsmarkt. In der Ausbildung stehen wir im bundesweiten Vergleich hervorragend da, gibt es doch Zuwächse in den technischen Berufen von rund 1,2 Prozent in Bremen und Bremerhaven. Im Bund gibt es Rückgänge von über zehn Prozent. Beim Automobilkaufmann gibt es einige statistische Unschärfen, weil wir beispielsweise den Kfz-Anteil beim Groß- und Einzelhandelskaufmann nicht exakt erfassen können.

Dennoch sind wir unzufrieden, denn auf der einen Seite sinkt die Zahl der Bewerber, auf der anderen Seite verschlechtert sich die Qualität der Schulabgänger. Und dies - aus unserer Sicht - in einer Branche, in der die Anforderungen in allen Auto-Berufen stiegen, in denen neue Technologie zum Alltag wird und in denen ein breites Wissen aus Elektronik, Elektrik, Mechanik, Pneumatik und Hydraulik unabdingbar ist.

Eine letzte Zahl: Die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in allen Unternehmen des Kraftfahrzeuggewerbes ist um rund 2 Prozent auf 2.700 gesunken. Eine Entwicklung, die wir auch vor dem Hintergrund des strukturellen Wandels im Kraftfahrzeuggewerbe nicht aufhalten können. Unverändert gilt in der Dienstleistungsbranche Kfz-Gewerbe aber der Grundsatz, nachdem Auto-Berufe Berufe mit Perspektive sind.

Danke fürs Zuhören.

 

 
Letzte Änderung: 19.03.2010
 
 

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