
Statement Karl-Heinz Bley MdL
Statement Karl-Heinz Bley MdL, Präsident des Landesverbandes des Kfz-Gewerbes Niedersachsen-Bremen
Ein herzliches Willkommen auch von mir zu unserer Pressekonferenz, mit der wir auch über den Tellerrand der Zahlen blicken wollen. Das Kraftfahrzeuggewerbe an der Weser ist stabil durch das Autojahr 2010 gekommen, das - daran will ich erinnern - von einigen Experten als das Krisenjahr der Automobilwirtschaft definiert worden war. Auch wir waren vor einem Jahr nicht so zuversichtlich, wie wir es heute sind.
Einige Ergebnisse und Kennzahlen überraschen und haben auch uns überrascht. Beispiel Gesamtumsatz: Dass es 1,217 Milliarden Euro geworden sind und damit sogar 39 Millionen mehr als im Rekordjahr 2009 ist zum einen eine Entwicklung gegen den Bundestrend und zum anderen das Resultat aus einem kräftigen Anstieg der Nutzfahrzeug-Verkäufe, einem guten Gebrauchtwagenmarkt und zum Teil spürbar gestiegenen Durchschnittspreisen.
Sie erkennen an der Gesamtzahl der Autokäufe in Bremen und Bremerhaven, dass die Nachfrage auf Vorjahresniveau geblieben ist. Es gab aber den erwarteten Rutsch weg vom Neuwagen, hin zum gebrauchten Pkw. Dem Neuwagen-Rekord, der bekanntlich von der staatlich gewährten Umweltprämie im Jahr 2009 ausgelöst wurde, konnte kein weiteres Spitzen-Resultat folgen. Aber: Bremen ist auch deshalb stabil durch das Autojahr 2010 gekommen, weil wir nicht in dem Maße von der Prämie profitiert haben, wie dies andere Bundesländer, auch Stadtstaaten wie Berlin, getan haben.
So steht beim Neuwagenverkauf ein Volumen-Rückgang von 14,8 Prozent zu Buche. Ein Ergebnis, das rund 10 Prozentpunkte unter dem Bundesergebnis liegt. Dass Automobil-Hersteller rund 27 Prozent dieser neuen Pkw am Handel vorbei vermarktet haben, ärgert uns. Daraus leite ich ab, dass die Hersteller diesen "Vertriebskanal am Handel vorbei" stopfen müssen. Der Hersteller stellt Autos her, wir handeln sie. An dieser bewährten Partnerschaft sollten wir nicht rütteln.
Wenn ich die Struktur des Neuwagenmarktes im Januar und Februar 2011 sehe, dann habe ich allerdings Zweifel, ob die Automobilindustrie unsere Botschaft gehört hat. (Bei 224.000 Einheiten: 20.000 Eigenzulassungen der Hersteller = 10 Prozent, plus 22 Prozent Flottengeschäft).
Eine Anmerkung noch zur Struktur des Neuwagenmarktes und dem aus diesen Veränderungen resultierenden aktuellen Durchschnittspreis eines neuen Pkw. Dieser ist, wie Sie vielleicht schon in Ihren Unterlagen gesehen haben, deutlich auf 26.840 Euro gestiegen ist. Also 4.110 Euro mehr. Dies ist das Ergebnis der Verschiebungen in den Modellklassen. Also eine höhere Anzahl von Käufen in den oberen Klassen, ein kleineres Volumen in den kleinen Segmenten. Dazu Beispiele: Kompaktklasse minus 21 Prozent, Oberklasse plus 17,7 Prozent. Der Preis eines Automobils hat sich 2010 lediglich um 0,2 Prozent erhöht, sagt die Statistik der Auto-Preise. Und diese Entwicklung der strukturellen Verschiebungen hat sich im Januar fortgesetzt: Minus in den beiden kleinen Modellsegmenten (Minis, Kleinwagen), 61,2 Prozent Plus in der Oberklasse und 29 Prozent Steigerung in der Mittelklasse.
Im Gebrauchtwagenmarkt haben Vertragshandel und Gebrauchtwagenhandel zugunsten des Privatmarktes je einen Prozentpunkt Marktanteil verloren. Das mindert ein wenig die Freude über die dynamische Entwicklung dieses Geschäftsbereiches, der nach miserablem Start im Januar und Februar ja neun Monate lang eine Wachstumskurve zeigte. Insgesamt ist der Gebrauchtwagenmarkt an der Weser auf 42.263 verkaufte gebrauchte Pkw angestiegen. Der Durchschnittspreis eines Gebrauchten veränderte sich auf 8.870 Euro nach 8.700 Euro im Vorjahr. Aktuell liegen diese Preise in einer Bandbreite von 12.920 bis 5.940 Euro.
Ich autorisiere an dieser Stelle den Pressetext, damit ich mit Blick auf die Uhr nicht alle Kennzahlen nennen muss. Dies gilt auch für den Bestand an der Weser, der um 1,4 Prozent gewachsen ist. Der bremische Markt reflektiert natürlich das Stadtstaaten-Problem: Die Motorisierung liegt lediglich bei 72 Prozent und deutlich unter den Werten unserer Nachbarn in Niedersachsen oder Nordrhein-Westfalen.
Die Motorisierung der Frauen hier an der Weser ist ebenso unterdurchschnittlich: Sind es im Bundesdurchschnitt 374 Frauen von 1.000 Käufen, dann registrieren wir in Bremen gerade einmal 278. Dies liegt signifikant unter dem durchschnittlichen Wert auf Bundesebene, denn dort lag der Anteil der Kundinnen nach 38,9 Prozent im Jahr 2009 noch bei 34,3 Prozent. Allerdings mögen unsere Damen die Cabriolets. Markanteil 43 Prozent.
Und noch eine statistische Zahl will ich nennen: Die Spezies Neuwagenkäufer muss eine besonders glückliche sein, ist sie doch in den vergangenen 15 Jahren nur 5 Jahre älter geworden. Das heißt: Der durchschnittliche Neuwagenkäufer im Jahr 2010 war 51 Jahre alt, 1996 war er 46 Jahre alt. Dem Automobilhandel fehlen also die jungen Kunden.
Lassen Sie mich einen Blick nach vorne werfen. Aus dem GfK-Konsumklimaindex haben Medien vor kurzem abgeleitet, Deutschland stehe im Kaufrausch. Der von 5,8 auf 6,0 für März gestiegene Index, dies bekenne ich heute, ist im Kraftfahrzeuggewerbe in Bremen und Bremerhaven noch nicht angekommen. Er rauscht hoffentlich nicht wirkungslos an uns vorbei.
Die Zahlen zum Jahresstart sind auf den ersten Blick vielversprechend. Im Januar ein Plus von 18,4 Prozent mit 1.416 (Vorjahr: 1.196) Pkw-Neuzulassungen und einer Steigerung von 24,4 Prozent bei den Gebrauchtwagen. Im Februar gab es ebenfalls kräftige Zuwächse:16,6 Prozent Plus bei den Pkw-Verkäufen (1.570) und 24,1 Prozent (3.517) mehr Besitzumschreibungen.
Aber: Die private Nachfrage ist noch immer nicht stabil und die deutliche Erhöhung der Autokosten, insbesondere durch die Kraftstoffe (8,7 Prozent im Vorjahr) und Versicherungen (6,2 Prozent in 2010) wirft Fragezeichen hinter die Prognosen. Eines sage ich heute. 2011 wird ein Autojahr auf Bewährung. Es können Steigrungen zwischen drei und fünf Prozent möglich werden, also wieder Pkw-Neuzulassungen über der 20.000 er Marke. Aber: Im Moment "regiert" noch der Konjunktiv.
Die Umsatzrendite, die sich 2010 mit leicht über einem Prozent vor Steuern im Vergleich zu 2009 nicht verbessert hat, bleibt unter Druck.
Abschließend will ich Ihre Aufmerksamkeit auf die Wahlprüfsteine des Kfz-Gewerbes lenken. Das in Ihrer Pressemappe verfügbare Papier ist eine Diskussionsgrundlage, eine erste Zusammenstellung für die Kommunalwahl im September im benachbarten Niedersachsen, aber auch für kommende Landtags- und Bundestagswahlen in Bremen. Es ist für mich unverzichtbar, dass sich eine bedeutende mittelständische Branche wie das Kraftfahrzeuggewerbe aktiv in den politischen Meinungsbildungsprozess einschaltet.
Unsere Wahlprüfsteine sind der Schlüssel, um diese Tür zum aktiven politischen Dialog zu öffnen. Und das wollen wir nicht nur beim Thema Elektro-Mobilität, sondern bei einer ganzen Themenpalette von der Entbürokratisierung bis zu einer fairen Rundfunkgebührenreform und einem zukünftigen Winterdienst, der uns die Freude am Automobil nicht vergrätzt.
Danke für Ihre Aufmerksamkeit
Statement Obermeister Hans-Jörg Koßmann
Statement Hans-Jörg Koßmann, Obermeister, Innung des Kfz-Techniker-Handwerks Bremen
Das mit dem Heimvorteil, wie Herr Hösel in seiner Begrüßung sagte, ist so eine Sache in dieser Saison an der Weser. Das mag man in Hannover anders sehen…
Aber in der Tat ist es für mich eine angenehme Aufgabe, aus den Bereichen Service und Ausbildung zu berichten, denn da sieht die automobile Welt deutlich freundlicher aus als im Geschäft mit neuen Pkw. Ich habe durchweg Positives, mit ein paar kleinen Kratzern, zu berichten.
Das Werkstattgeschäft ist auch im Autojahr 2010 seinem "betriebswirtschaftlichen Ruf als eine stabile Säule" gerecht geworden. Das war im "Jahr 1 nach der Umweltprämie" nicht so zu erwarten gewesen. Zwar haben wir in weitaus geringerem Maße von den Aufschwungtendenzen profitiert, als dies andere Handwerke getan haben. Wir sind aber gut durch die Krise gekommen, wenn auch erst in der zweiten Jahreshälfte. Der Werkstattumsatz in Höhe von 226,67 Millionen Euro ist mit einer kleinen Steigerung auch deshalb zufriedenstellend, weil es im bundesweiten Trend einen Rückgang gegeben hat.
Die ersten sechs Monate, das sagt auch die Statistik über die Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt Kfz-Gewerbe, waren nicht leicht, auch wenn seit März das Gebrauchtwagengeschäft eine gute Wachstumsdynamik zeigte, wie Präsident Karl-Heinz Bley sagte. Die immer länger werdenden Wartungsintervalle, die Stabilität der Fahrzeugkomponenten und ein begrenztes Budget in den privaten Haushalten für die individuelle Mobilität setzen diesem Geschäftsbereich Grenzen.
Sie können schon vom durchschnittlichen Preis einer Werkstattstunde ablesen, dass Aufschwung anders aussieht. Eine Preiserhöhung von 0,4 Prozent deckt nicht die gestiegenen Kosten ab, die wir allein im Energiebereich als eine energieintensive Branche haben.
Wenn alle von gesättigten Märkten sprechen, dann gilt dies eigentlich auch für das Werkstattgeschäft. Aber nur eigentlich ... Es gibt Wachstumschancen für uns, denn es gilt beispielsweise verlorene Marktanteile zurück zu gewinnen. Im Reifengeschäft ist dies ansatzweise gelungen, bei Batterien haben wir Nachholbedarf, das Thema Smart-Repair ist noch nicht beim Verbraucher, aber auch nicht in unseren Reihen vollends angekommen und das Thema Old- und Youngtimer muss ich nach dem großartigen Erfolg der Bremen Classic im Februar noch einmal in den Fokus Service rutschen.
Auch diese technischen Schätzchen brauchen unsere Erfahrung, sie haben sogar, wenn man einer aktuellen Studie der GTÜ glaubt, zu rund 11 Prozent erhebliche Mängel und sind damit verkehrsunsicher. Immerhin noch 41,8 Prozent haben geringe Mängel.
Viel eklatanter sieht es allerdings bei den Youngtimern aus: 26,6 Prozent haben eklatante Mängel und 48,3 Prozent geringe Mängel. Dies ist eine Chance für unsere Betriebe, die sich als "Fachbetrieb für historische Fahrzeuge" qualifiziert und positioniert haben.
Das Thema Elektro-Mobilität beobachten wir aufmerksam und aktiv. Wir sind dabei. Als Verband, wie Sie vielleicht wissen, als assoziiertes Mitglied in der Modellregion Bremen/Oldenburg, als Branche bei den Arbeiten an Hochvoltanlagen. Diese Hausaufgaben haben wir erledigt. Aber auch perspektivisch, meine Damen, meine Herren, wollen wir die erste Service-Adresse bleiben und unserem Anspruch als "Unternehmen Mobilität" gerecht werden. Wir werden auch batteriebetriebene Fahrzeuge warten und reparieren.
Da gilt es im Moment, mit Realitätssinn und Praktikabilität die Entwicklung zu beobachten, denn Bremen wird im bundesweiten Vergleich sicherlich ein exponierter Markt für das Thema Elektromobilität. Immerhin hatten wir an allen E-Zulassungen im Dezember einen Anteil von 26,5 Prozent. Im November waren es nur 2,4 Prozent. Aber auch dies lag über dem üblichen Marktanteil Bremens von knapp einem Prozent. Im September waren es übrigens 16,4 Prozent und im Oktober gab es eine Null-Nummer.
Wir werden also weiterhin die Entwicklungen aufmerksam beobachten. Wir werden uns über derartige Marktanteile freuen aber auch erkennen, dass dieses Volumen ein Anfang ist. Nicht mehr, nicht weniger. Warten wir auch auf den Abschlussbericht der Nationalen Plattform Elektromobilität, der im Mai erwartet wird und politische Grundlagen definieren soll.
Meine Damen, meine Herren,
ich komme zu einem der wichtigsten Themen in unserer Branche, der Aus- und Weiterbildung. Die Sicherung der Fachkräfte in einer so exponierten Dienstleistungsbranche ist existenziell. Soviel als Einleitung. Ich berichte von einer höchst erfreulichen Ausbildungs-Bilanz, denn die Zahl der neuen Ausbildungsverhältnisse in den gewerblichen Berufen ist deutlich gestiegen. 44 Ausbildungsstellen mehr in den Servicebetrieben an der Weser ist in einer Zeit, in der vor allem über Rückgänge gesprochen wird, ein großartiges Ergebnis.
Dies verbinde ich mit dem Dank an meine Kolleginnen und Kollegen, die trotz einiger instabiler Rahmenbedingungen - hier das Stichwort mangelnde Ausbildungsreife der Bewerber - ein beispielhaftes Ausbildungs-Engagement zeigen. 146 neue Lehrlinge im Ausbildungsberuf Kfz-Mechatroniker sind ein ermutigendes Signal für die automobile Berufswelt. Einen kleinen Kratzer mit drei Ausbildungsverhältnissen weniger hat es beim Automobilkaufmann gegeben. Hier stehen 18 statt 21 neue Ausbildungsverträge in der Bilanz.
Wir werden, das verspreche ich Ihnen, in unserem Engagement in der Nachwuchswerbung nicht nachlassen. Schon deshalb freue ich mich, dass unser PR-Partner Fuchs Europe Schmierstoffe uns diese kleine Ausstellung geschenkt hat, damit wir bei Präsentationen draußen auf wenigen Tafeln die technischen und kaufmännischen Berufe sowie die Karrierewege im Kraftfahrzeuggewerbe darstellen.
Heute und morgen gilt ohne Einschränkung: Auto-Berufe sind Chancen für Könner. Wir erwarten aber auch, dass Bewerber die nötige Qualifikation mitbringen, die wir für unsere Berufe voraussetzen müssen. Das Automobil ist ein High Tech-Produkt und - Stichwort Elektro-Mobilität - es wird nicht neu erfunden, aber es entwickelt sich weiter. Und dies bieten wir in unserer Berufs-Welt, beispielsweise mit der Weiterbildung zum Servicetechniker.
Lassen Sie mich mit dem plakativen Satz schließen: Gute Autos brauchen den besten Service. Und dieser Service braucht den besten Nachwuchs.
Danke für Ihre Aufmerksamkeit.

















