Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe
 
 

Statement Manfred Woltmann, Präsident des Landesverbandes des Kfz-Gewerbes Niedersachsen-Bremen  

                                          - Es gilt das gesprochene Wort -

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir legen Ihnen heute Bilanz und Ausblick für eine Branche vor, die binnen kurzer Zeit ein besonderes Wechselbad erlebt hat. Das Ausnahmejahr 2009 - und diesen Stempel wollen wir bei allen mittelfristigen Prognosen auch verwenden - ist nahtlos in die automobile Realität übergegangen, in der die Zahl der fröstelnden Automobilunternehmer zugenommen hat. Und dies nicht nur auf Grund der hinter uns liegenden tiefen Minusgrade.

Wir sind zurück in der automobilen Realität, denn die Freude über mehr als eine Million verkaufte neue und gebrauchte Pkw - ein neuer Rekord - ist der Befürchtung gewichen, dass vor uns ein Autojahr ohne Bonus mit der Tendenz unter der Nulllinie liegt.

Mit anderen Worten: Es steht zu befürchten, dass es etwas weniger werden könnte als in einem automobilen Normaljahr.

Zunächst aber zum Erfreulichen: Der Umsatz in den 3.444 Unternehmen des Kraftfahrzeuggewerbes in Niedersachsen - also Handel und Service - ist um rund zwei Prozent auf 13,959 Milliarden Euro gestiegen. Legen wir die Steigerungen bei den Neuzulassungen um immerhin 16,4 Prozent und beim Gebrauchtwagenverkauf um 5,7 Prozent zugrunde, dann erscheint das marginale Umsatzwachstum nahezu als widersprüchlich.

Die Erklärung ist einfach, denn das durch die staatlich gewährte Umweltprämie generierte Wachstum hat sich in den kleinen Modellsegmenten niedergeschlagen und in den größeren Fahrzeugsegmenten, also ab Mittelklasse aufwärts, gab es mehrheitlich Minuszahlen. Und,  gestatten Sie mir den Vergleich, für den Umsatz eines Audi 6 mussten sie schon mehrere Kleinwagen verkaufen. Folglich gab es im Umsatz mit neuen Pkw im Ausnahmejahr 2009 ein leichtes Minus von 1,1 Prozent gegenüber 2008.

Im Gebrauchtwagengeschäft profitierten wir auch von der Umweltprämie, denn - davon gehen wir heute aus - ein gutes Viertel der Prämien-Autos waren Jahreswagen, die in der Statistik für Besitzumschreibungen erscheinen. Der Verlierer im Gebrauchtwagenmarkt 2009 war der Privatmarkt mit einem Verlust von 3 Prozentpunkten auf jetzt noch 41 Prozent. Die 59 Prozent des Marktes gehen zu 40 Prozent zum Markenhandel und 19 Prozent zum reinen Gebrauchtwagenhandel.

Die Gesamtzahl der Besitzumschreibungen in Niedersachsen lag mit 631.322 und einem Minus von 0,6 Prozent deutlich unter dem Bundesergebnis mit minus 1,6 Prozent. Übrigens: Beim Neuwagenplus war es umgekehrt. Da gab es bundesweit ein Plus von 23,2 Prozent, bei uns die schon angesprochene Steigerung um 16,4 Prozent.

Im Übrigen: Unsere Ländernachbarn von NRW über Sachsen-Anhalt bis Schleswig-Holstein, haben von der Umweltprämie viel kräftiger profitiert. Es gab Zuwächse von 26,7, 45,1 und 31,5 Prozent. Im Umkehrschluss können wir erwarten, dass wir von dramatischen Rückgängen verschont bleiben. Die ersten beiden Monate des neuen Jahres lassen eine solche Entwicklung jedenfalls zum Teil erkennen. So haben wir im Januar und Februar einen Rückgang von 17 Prozent, im Bund waren es 19,5 Prozent, zu verzeichnen. Im Gebrauchtwagengeschäft hat es den Markt in Niedersachsen aber voll erwischt, denn mit minus 30 Prozent lagen wir unter Bundesniveau. Bei den Pkw-Neuzulassungen war das Plus im Januar von 1,1 Prozent trügerisch, denn im Februar gab es 29 Prozent Rückgang, quasi auf Bundesniveau mit  einem Minus von 29,8 Prozent gegenüber Februar 2009.

Noch ein kleiner Blick zurück. Die strukturellen Veränderungen bei den Neuzulassungen - das Segment der Minis hatte Steigerungen um 80 Prozent - werden in der Qualität des Jahres 2009 nicht anhalten. Es gibt, allerdings abgeschwächt im Jahresvergleich, weiterhin einen Trend zu den kleinen, grünen Autos.

Inwieweit die oberen Modellsegmente im Sog einer wirtschaftlichen Erholung in diesem Jahr zulegen können, müssen wir abwarten. Zum jetzigen Zeitpunkt ist es höchst spekulativ von einer Erholung von Mittel- und Oberklasse sprechen zu wollen, denn das Firmenwagengeschäft läuft noch nicht rund. Es wird neue Impulse geben, davon bin ich überzeugt. In welcher Qualität und Quantität kann ich Ihnen frühestens im Juni sagen, wenn Halbjahres-Zahlen vorliegen.

Ein aus unserer Sicht weniger erfreulicher Teil der Bilanz ist das Kapitel der Insolvenzen, des Arbeits- und Ausbildungsmarktes. Es gab bundesweit einen Zuwachs der Insolvenzen um 15,6 Prozent auf knapp 1.300.Daraus kann man ein Zehntel für Niedersachsen, also etwa 130, ableiten. Ich merke an, dass es dabei eine Bandbreite gibt von 4,1 Prozent bei den Servicebetrieben und 20,3 Prozent bei den Handelsbetrieben.

Es steht zu befürchten, dass dies noch nicht das sprichwörtliche Ende der Fahnenstange sein wird, denn die Branche hat ein großes Risiko, Leasingrückläufer.

Zunächst zur Zahl der Mitarbeiter, die sich im Ausnahmejahr leider verringert hat. Aber, meine Damen, meine Herren, unternehmerische Perspektive war derart zu erkennen, dass 2010 ein schwieriges Jahr wird. Und die Entscheidungen konnten und mussten rechtzeitig getroffen werden.

Wir haben zu bilanzieren, dass es 29 Betriebe weniger in Niedersachsen gibt, dass die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter um knapp 2 Prozent auf 39.600 gesunken ist und dass bei den Ausbildungszahlen Rückgänge unausweichlich waren und wohl auch noch sind. Lediglich bei den Fahrzeuglackierern und den Zweiradmechanikern erlebten wir in der Ausbildung leichte Zunahmen, per Saldo aber gibt es im Autojahr 2009 ein Minus von 8,6 Prozent in den technischen Berufen. Die Quote für die kaufmännischen Berufe ist leicht zweistellig, wobei wir gestehen, dass beim Groß- und Einzelhandelskaufmann der Kfz-Teil noch nicht in Zahlen berechenbar ist.

Bei der Ausbildung ist fest zu stellen, dass wir als Kraftfahrzeuggewerbe dennoch eine der ausbildungsstärksten Branchen in Niedersachsen bleiben. Zwei Entwicklungen treffen uns aber unvermindert: Zum einen eine geringere Zahl von Bewerbern, zum anderen eine weiter sinkende Qualität. Parallel dazu aber steigen die Anforderungen beim Kfz-Mechatroniker, sodass wir im schärfer werdenden Wettbewerb um Lehrlinge mit anderen Branchen stehen.

Wir brauchen aber den guten Berufsnachwuchs, denn das Kraftfahrzeuggewerbe ist und bleibt eine personalintensive Dienstleistungsbranche, in der die Anforderungen und Qualifikationen mit dem Produkt wachsen.

Mit Blick auf die Uhr autorisiere ich den Pressetext, ohne jetzt alle weiteren Zahlen zu erläutern. Ich will abschließend einige Aufgaben und Fragen ansprechen, die unsere Branche stark betreffen.

Und damit komme ich zurück auf das Thema Leasing. Die vertragliche Partnerschaft - Stichwort neues Geschäftsmodell - muss mit den Herstellern neu definiert werden, denn allein das Beispiel Leasingrestwerte zeigt, dass Belastungen mit wenigen Ausnahmen einseitig verteilt sind. Ein großer Brocken, der wirtschaftliche Schwierigkeiten in diesem Jahr verschärft, sind die überhöhten Restwerte der Leasingfahrzeuge, die sich pro Wagen schnell auf vierstellige Beträge belaufen.

Bei einer Eigenkapitalquote, die im Durchschnitt unter 10 Prozent liegt, ist Gefahr im Verzuge. Ich ergänze in diesem Zusammenhang, dass das Ausnahmejahr 2009 zwar die Rendite und die Liquidität verbessert hat, die Eigenkapitalquote indes nicht.

Wir wollen in der Politik zügige Entscheidungen für das Wechselkennzeichen. Die von allen Landesverbänden im Deutschen Kraftfahrzeuggewerbe gestartete diesbezügliche Offensive sehen wir als einen Impuls für die Motorisierung und zur Entbürokratisierung. Ein Kennzeichen für mehrere Fahrzeuge. natürlich ohne parallele Nutzung, gibt es bereits in der Schweiz.

Lassen Sie mich abschließend einen durchaus optimistischen Blick in eine etwas trübe Zukunft werfen: Individuelle Mobilität mit dem Automobil ist in einem Flächenland wie Niedersachsen unverzichtbar. Und der Wunsch nach dieser Mobilität ist ungebrochen. Die positive Emotion des Produktes ist für uns trotz der vereinzelten schlechten Nachrichten die gute Nachricht, denn noch immer sprechen wir von der Faszination Automobil.

Wir erkennen aber, dass es in einem gesättigten Markt auch Chancen gibt. Wir haben schon einige Fahrten in schwierigem Wasser erlebt, wir werden - da bleibe ich als Segler zuversichtlich - auch die Klippen des Autojahres umschiffen.

Dies sage ich mit dem Hinweis auf unser 75jähriges Verbandsbestehen, zu dem ich Sie schon heute für den 28. Oktober herzlich einlade.

Danke für Ihre Aufmerksamkeit.

Statement Joachim Czychy

Statement Joachim Czychy, Landespressesprecher, Landesverband des Kfz-Gewerbes-Niedersachsen-Bremen

- Es gilt das gesprochene Wort -

Sehr geehrte Damen und Herren,

lassen Sie mich das Stichwort Chancen gleich aufgreifen. Es gibt sie, die neuen Chancen in alten Märkten, die dem marginal unter Druck geratenen Servicegeschäft in den Kfz-Meisterbetrieben in Niedersachsen Impulse geben können.

Wir haben noch Luft nach oben beim Reifengeschäft, wir haben Luft nach oben beim so genannten Service Smart-Repair, Stichwort Parkplatz-Rempler oder das eine oder andere Hagelkörnchen, und vor allem auch im Glasgeschäft.

Hier wollen wir wachsen und wir werden mit den technischen Unterstützungen unse­res Verbandes das Angebot stärker herausstellen als bisher. Ich zeige Ihnen den Markt mit dem Auto-Glas an ein paar Zahlen auf:

- Pro Jahr gibt es in Deutschland rund 3,5 Millionen Glasschäden, hochgerechnet für Niedersachsen also über 300.000 Schäden (Es kommt jetzt auch darauf an, wie schnell der Split von unseren Straßen verschwindet) mit einem geschätzten Volumen von etwa 400 Millionen Euro.

- 35 % dieses Geschäftes haben Vertragswerkstätten, 10 Prozent freie Werkstätten, 10 Prozent Werkstattketten und 45 % Spezialbetriebe.

Das bundesweite Ziel, kurzfristig die 50 Prozent-Marke zu überschreiten, sollte auch mit dem Beitrag aus Niedersachsen in diesem Autojahr machbar sein.

In diesem Geschäft gilt der allgemeine unternehmerische Grundsatz, ich muss stärker noch als in der Vergangenheit meine Kunden kennen und sie mit einer Full-Service-Palette an das eigene Unternehmen binden. Dies setzt auch ein individuelles Marketing voraus, denn alle globalen Ansätze - bis auf das unselige Rabattversprechen - sind in der individuellen Ansprache untauglich.

Wir haben in Niedersachsen die ersten Unternehmen, die im Zuge der Qualifizie­rungsoffensive den Service als "Fachbetrieb für historische Fahrzeuge" aktiv anbieten. Dieses Geschäft unterliegt keinen konjunkturellen Schwankungen und das Volumen der Oldtimer und Youngtimer steigt weiterhin.

Beim Thema Smart-Repair sind wir als Branche gut aufgestellt, doch wir müssen viel stärker als bisher in die Marketing-Offensive. Ein Beispiel: Die Reparatur eines Brandloches auf dem Beifahrersitz für, sagen wir mal, 80 bis 120 Euro ist für den Leasingnehmer allemal günstiger als die der Abzug bei Fahrzeugrücknahme von etwa 800 Euro.

Manchmal, meine Damen, meine Herren, baden wir auch das aus, was uns andere einbrocken: Stichwort Russpartikel-Filter und Umweltzone. Es ist ein großes Ärgernis, dass wir noch immer hohe Lieferzeiten - rund sechs Wochen - haben und es ist ein noch größeres Ärgernis, dass es für einen unverändert großen Anteil keine Angebote gibt.

Ich will die Themen Elektro-Mobilität und  dritte EU-Führerschein-Richtlinie ansprechen.  Wir sind als Verband assoziiertes Mitglied in der Modellregion Oldenburg/Bremen, wir haben mit der Weiterbildung für die Arbeiten an Hochvoltanlagen unsere handwerklichen Hausaufgaben gemacht. Doch Elektro-Mobilität erfordert in der Diskussion heute eine realistische Einschätzung, dass es in Flächenländern wie Niedersachsen zum einen an der Infrastruktur fehlt, zum anderen aber trotz aller Botschaften von den Automessen noch keine - aus Sicht des Verbrauchers - bezahlbare Elektromobilität gibt.

Aus diesem Dilemma darf die Politik aber nicht raus fahren wollen mit Subventionen und der Benachteiligung der Autofahrer mit Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren. Elektro-Mobilität wird unserer Überzeugung nach eine sogenannte Ergänzungsmobilität - vielleicht dann mit Wechselkennzeichen - mit Schwerpunkten in den Städten.

Wir treten ein für die umweltfreundliche Mobilität, was auch im Engagement und im Angebot für alternative Energie und alternative Antriebe. Ich wünschte mir schon heute mehr Hybridfahrzeuge und mehr Gasautos auf unseren Straßen. Die Statistik sagt etwas anderes.

Wir hören, dass zum Ende dieses Jahres das erste Elektro-Auto in den Verkauf kommen soll. Ein Kleinwagen mit einem Preis von über 40.000 Euro.

Dies zeigt, dass wir noch weit entfernt sind, eine Batterie-Technik anzubieten, die die Eigenschaften leistungsstark, schnell aufladbar und vor allem bezahlbar hat.

Zur Führerschein-Richtlinie. Wir haben unseren Wirtschaftsminister angeschrieben und ein Engagement für die neue Richtlinie gewünscht. Wir wollen den Pkw-Führerschein für das Motorrad bis 125 ccm, wir wollen das Kleinkraftrad ab dem 15. Lebensjahr. Dies sind auch konjunkturelle Impulse, die eine gebeutelte Zweiradbranche dringend braucht.

Abschließend will ich auf zwei Aktionen hinweisen, die das niedersächsische Kraftfahrzeuggewerbe in eine Pole Position bringt. Der Terminus passt, denn es geht zum einen bei der Aktion "Safety Cars für Safety Kids" um die frühkindliche Verkehrser­ziehung in Kindergärten, promotet vom Fahrer des Safety Cars der Formel1, Bernd Mayländer. Dies ist ein Ausdruck unseres Engagements für die Sicherheit auf unseren Straßen. Der kostenlose Licht-Test im Oktober ist ein weiteres Beispiel.

Unser Engagement für den Umweltschutz spiegelt sich in der Aktion "Ja zum Grünen Pfeil" wieder. In Salzgitter haben wir ein hervorragendes Beispiel, denn dort sind an fünf Ampelanlagen auf Initiative unserer dortigen Kfz-Innung die Pfeile für das Rechtsabbiegen bei Rot mit dem Ergebnis eines besseren Verkehrsflusses installiert worden. Wir freuen uns über die Entscheidung der Landesregierung, diesen Grünpfeil, wie er im Amtsdeutsch heißt, in unserem Land weiter zu fördern und zu unterstützen. Diese Aktion ist nicht der große Wurf, aber ein effizientes Steinchen im Mosaik des Umweltengagements.

Mit dieser Aktion, dies zum Schluss, stehen wir in einem bundesweiten Wettbewerb in der Hoffnung, weit vorne platziert zu werden. Die Entscheidung wird im Juni veröffentlicht.

Danke für Ihre Aufmerksamkeit.

 
Letzte Änderung: 18.03.2010
 
 

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