
Statement Karl-Heinz Bley MdL
Statement Karl-Heinz Bley MdL, Präsident des Landesverbandes des Kfz-Gewerbes Niedersachsen-Bremen
Sie erleben heute einen durchaus zufriedenen Präsidenten eines mittelständischen Berufsverbandes für Niedersachsen und Bremen. Der Grund liegt nicht allein im gelungenen Branchentag aus Anlass des 75-jährigen Bestehens unseres Landesinnungsverbandes.
Der Grund liegt auch und vor allem in einer ermutigenden Zwischenbilanz, die zwei klare Botschaften hat:
Erstens: Die Talfahrt im Autojahr 2010 scheint gebremst, der Wendepunkt erreicht.
Zweitens: Die automobile Kauflust kehrt zurück, die Verkaufszahlen im dritten Monat in Folge steigen.
Diese positive Entwicklung lässt uns unsere Prognose korrigieren und zwar nach oben. Heute halte ich 285.000 bis 290.000 Pkw-Neuzulassungen für möglich, also rund zehn Prozent mehr als in unserer vorsichtigen Erwartung zu Jahresbeginn erklärt.
Bei der Entwicklung des Autojahres 2010 sollten wir keineswegs vergessen, dass Niedersachsen, beispielsweise im Vergleich zu Bremen, stark von der Umweltprämie des Jahres 2009 profitiert hat. Wir hatten, daran erinnere ich, bis auf Januar und Dezember 2009 hohe monatliche Zuwächse, in der Spitze 32,7 Prozent.
Und folglich gab es auch erdrutschartige Rückgänge in diesem Jahr. Minus 33,3 Prozent bei den Neuzulassungen im April, 32,2 im Mai, 31,3 im Juli sind wahrlich keine statistischen Zwischenergebnisse, die man der Vergnügungssteuer unterwerfen müsste.
Aber - lassen Sie mich es so deutlich sagen - wir haben es gewusst und wir konnten uns als Branche darauf einstellen, dass nach dem Höhenflug der prämiengestützten Neuwagen-Sonderkonjunktur der graue Alltag wieder einzieht. Die Branche - auch dies gehört zu unserer transparenten Informationsarbeit - hat rechtzeitig die Kapazitäten angepasst. Dies führte zu Arbeitsplatzverlusten im Umfang von etwa 1,2 Prozent. Schmerzhafte Einschnitte, die Schlimmeres verhindert haben, denn die Zahl der Insolvenzen ist deutlich geringer als befürchtet.
Meine Damen, meine Herren, dieses vielfach zu Unrecht als automobiles Krisenjahr bezeichnete Autojahr 2010 hat in Niedersachsen eine sturmerprobte Branche erlebt, die in ihrer 75-jährigen Geschichte nicht zum ersten Mal auf Talfahrt war. Lassen Sie mich in Erinnerung rufen, dass 2009 erstmals und wahrscheinlich nicht reproduzierbar eine Million Autokäufe von neuen und gebrauchten Pkw registriert wurden.
Von diesem Ergebnis bleiben wir auch in drei Monaten entfernt, denn allein im Neuwagenverkauf kann das letzte Quartal die hohen zweistelligen Rückgänge nicht ausgleichen. Aber der Gebrauchtwagen macht uns Freude. Quantitativ und Qualitativ. Letzteres ist für uns der Maßstab, denn im Gesamtmarkt für gebrauchte Pkw hat der Fachhandel einen Marktanteil von 56 Prozent. Tendenz stabil. Der Rest gehört dem Privatmarkt.
Ich wage auch bei der Zahl der Autokäufe insgesamt eine Prognose für Niedersachsen: 950.000. Das wären etwa 50.000 weniger als im Jahr der Sonderkonjunktur und als Normaljahr ein durchaus "zufriedenstellender Jahrgang".
Soweit Sie unsere monatlichen Zahlen für Neuwagenkäufe und Gebrauchtwagen-Besitzumschreibungen für Niedersachsen und für Bremen bekommen, werden sie die gegenläufige Entwicklung verfolgt haben. Hier Minus bei den Pkw-Neuzulassungen, da Plus für Gebrauchtwagen.
Wenn wir 1 Million Autokäufe nicht schaffen, schaffen wir auch das Umsatzziel des Jahres 2009 nicht. Ich gehe davon aus, dass nach 13,6 Milliarden € Gesamtumsatz in diesem Jahr 12 bis 12,2 Milliarden möglich sind. Eine Ursache des moderaten Umsatzrückgangs in der Relation zu den Stückzahlen bei neuen Pkw liegt im Übrigen auch im deutlich gestiegenen durchschnittlichen Preis für einen neuen Pkw. Die erwartete 23.800 Euro sind nicht das Ergebnis unverschämter Preiserhöhungen - die liegen lediglich unter 1 Prozent - sondern Folge der strukturellen Veränderungen aus den kleinen Modellsegmenten hin zu den größeren Autos.
In den kleinen Segmenten gibt es hohe zweistellige Rückgänge zwischen 40 und 50 Prozent, hingegen erholen sich die Oberklasse und Mittelklasse, in denen der Diesel stark vertreten ist, mit hohen einstelligen Pluswerten. In der Oberklasse zu 77 Prozent, in der Mittelklasse zu 67 Prozent.
Das Auslaufen der Umweltprämie zeigt nachfolgende Zahlen: Der Anteil der Käuferinnen ist vom Rekordniveau 40 Prozent wieder auf normale 34 Prozent abgesackt und im kumulativen Ergebnis bis Ende August ist der Privatanteil im Neuwagensegment Kleinwagen um 67,1 Prozent zurückgegangen. Prämie war also, dies als einen weiteren Beweis, vor allem Kleinwagen-Konjunktur.
Wir sehen das auch an den Farben. Ja, Sie haben richtig gehört. Modellstrukturen verändern auch Farbgewichte. Schwarz ist beispielsweise in den ersten 9 Monaten auf 30,4 Prozent, Vorjahr 27,5 Prozent gestiegen. Rot - wohl mehr eine Farbe für kleine Autos - ist von 9,2 auf 6,9 Prozent gesunken. Grüne Autos haben übrigens nur einen Anteil von 1,4 Prozent, umweltfreundliche von 64,2 Prozent jetzt im September, wenn die Euro5-Technologie der Maßstab ist.
Mit Blick auf die Uhr und das Statement des ZDK-Präsidenten will ich zum einen den Pressetext autorisieren, ohne jede Aussage und jede Zahl wiederholen zu wollen. Zum anderen stärke ich den aktuellen positiven Trend:
- 60 534 gebrauchte Pkw und 25.733 neue Pkw im September sind ein Zuwachs von 43,5 Prozent und ebenso erfreulich wie das bereits vergangene Plus von 3,4 Prozent im August. Und die vorläufigen Zahlen für den Oktober lassen auch ein positives Monatsresultat erwarten. Ich will noch ergänzen, dass der Diesel im Gebrauchtwagengeschäft eine überdurchschnittliche Steigerung in Niedersachsen von 11,2 Prozent hat.
Dass in unserer Branche aber nach dem Wendepunkt nicht alles eitel Sonnenschein ist, wird sie nicht überraschen. Schließlich leben und arbeiten wir in einem gesättigten Markt, quantitativ jedenfalls. Mir macht ein wenig Sorgen, dass der Werkstatt-Umsatz auf hohem Niveau unter Druck gerät. Der Vorjahresumsatz von 2,87 Milliarden Euro im Autoservice in Niedersachsen ist zu schaffen. Sorge bereitet uns eine erhebliche Zunahme der Fahrzeugmängel, wie die Überwachungsorganisationen melden. Vielleicht ist dies sogar ein nachhaltiger Hinweis, dass der Autofahrer beim Autoservice zum Rotstift greift. Ein nachdenklich stimmendes Szenario.
Ich denke, nach der jetzt für November erwarteten Entscheidung der Politik für eine Winterreifen-Pflicht wäre das Thema Verkürzung der Prüffristen für ältere Fahrzeuge mal wieder auf die Tagesordnung zu setzen. Alle Statistiken, von Dekra, von TÜV, von GTÜ von Küs zeigen die Korrelation von Fahrzeugalter und Mängelhäufigkeit.
Eine Anmerkung zum Thema Rabatte. Sie sehen die Zahlen für alle Modelle im Pressetext und nicht die Ausreißer, wie sie in den wiederkehrenden Rabattgesängen aus der Uni Duisburg kommen. Das ist branchenschädigend. Ich nehme dies aber zum Anlass an die Hersteller zu appellieren, bei Auslaufmodellen, also wenn das Bild des neuen Modells beispielsweise durch alle Auto-Zeitungen geht, Preiskorrekturen vorzunehmen.
Gestatten Sie mir eine abschließende Bemerkung zum heutigen Vormittag: Es war für den Präsidenten dieser Branche in Niedersachsen wohltuend, die lobenden Worte aus berufenem Munde für die Aus- und Weiterbildungsleistungen des Kraftfahrzeuggewerbes Niedersachsen-Bremen zu hören. Ja, auch in schwieriger Zeit kommen wir unserer gesellschaftlichen Aufgaben nach, jungen Menschen den Start in die Berufswelt zu ermöglichen. Dafür ist hier Landesinnungsmeister Manfred Steinbrecher zuständig, dem ich auch in dieser Runde für ein außergewöhnliches großes Engagement im Interesse der jungen Menschen danke.
In Richtung Politik, in der ich, wie Sie vielleicht wissen, als Mitglied des Landtages auch zu Hause bin, sage ich aber:
Wir wollen als Mittelstand Kraftfahrzeuggewerbe nicht nur in den schönen Reden am Sonntag oder Branchen-Feiertag gelobt werden, sondern auch ab Montag, wenn der Alltag unsere Unternehmer allzu oft vor instabile Rahmenbedingungen stellt.
Statement Robert Rademacher
Statement Robert Rademacher, Präsident Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe
Als Präsident des Zentralverbandes Deutsches Kfz-Gewerbe werfe ich beim heutigen Pressegespräch anlässlich des 75-jährigen Bestehens des Landesverbandes Niedersachsen-Bremen einen Blick auf die Kfz-Großwetterlage im Bundesgebiet. Die Situation lässt sich aktuell wie folgt beschreiben: Neuwagen schwach, Gebrauchtwagen erfreulich, Servicebereich stabil.
Die Zahl der Neuzulassungen ist bis Ende September 2010 mit knapp 2,17 Millionen um 27,5 Prozent erwartungsgemäß deutlich unter dem Wert des Vorjahres geblieben. Gegenüber dem „Normaljahr“ 2008, das insgesamt knapp 3,1 Millionen Neuzulassungen brachte, stellt sich die Bilanz realistischer dar: Im Vergleich dazu ist in den ersten neun Monaten ein Rückgang der Neuzulassungen um 8,6 Prozent zu verzeichnen. Diese Entwicklung liegt innerhalb der als normal anzusehenden Schwankungsbreite von plus/minus 5 bis 10 Prozent. Der aktuelle Wert ist ein Indikator dafür, dass die von uns prognostizierte Marke von 2,7 bis 2,8 Millionen Neufahrzeugen am Ende dieses Jahres erreicht werden wird.
Das Gebrauchtwagengeschäft hat sich erfreulich entwickelt. Im Vergleich zum Vorjahr liegt die Zahl der Besitzumschreibungen in den ersten neun Monaten dieses Jahres mit knapp 4,86 Millionen um 5,7 Prozent über dem Vergleichswert des Vorjahres. Auch die Standzeiten der Gebrauchtwagen sind von 111 Tagen im September 2009 auf aktuell nur noch 86 Tage zurückgegangen. Vor allem aber haben sich die Margen verbessert. Die waren im vergangenen Jahr durch Überbestände, aber auch durch die Abwrackprämie unter Druck geraten.
Stabil zeigt sich das Geschäft mit Wartung und Reparatur. So lag die Auslastungsquote der Werkstätten bis einschließlich September 2010 bei durchschnittlich 82 Prozent und damit nur um einen Prozentpunkt niedriger als im Vergleichszeitraum 2009.
Diese positive Beurteilung der Lage wird auch durch unsere Betriebe gestützt. So erwartet die Mehrzahl eine überwiegend positive Geschäftsentwicklung im vierten Quartal 2010. Das ergibt der aktuelle Geschäftsklimaindex des ZDK. Er basiert auf einer Befragung, die wir seit Beginn dieses Jahres einmal pro Quartal unter einer repräsentativen Zahl unserer Mitgliedsbetriebe durchführen.
Demnach rechnen 88,9 Prozent der Betriebe mit einer guten oder befriedigenden Geschäftslage in den letzten drei Monaten dieses Jahres.
Bezogen auf die Werkstattauslastung erwartet etwa ein Drittel der Betriebe im vierten Quartal eine bessere Auslastung, und 60 Prozent rechnen mit einem „saisonüblichen“ Servicegeschäft. Bei Gebrauchtwagen setzen vier Fünftel der Befragten auf bessere oder gleich bleibende Geschäfte.
Selbst beim Neuwagenverkauf hat sich die Stimmung mit Blick auf das vierte Quartal deutlich aufgehellt: So rechnet nur noch ein Drittel der Betriebe mit schlechteren Geschäftsaussichten als im dritten Quartal. Mitte Juni lag die Zahl der Pessimisten noch fast bei der Hälfte der befragten Betriebe. Diese Einschätzungen bestätigen die insgesamt positive Grundstimmung im Kraftfahrzeuggewerbe.
Für das laufende Jahr wird gegenüber dem Vorjahr mit einer kleinen Verbesserung der durchschnittlichen Umsatzrendite auf immer noch nicht befriedigende 1,5 % vor Steuern gerechnet.















