Diesel-Debatten belasten die Bilanz des Kfz-Gewerbes

Jahrespressekonferenz Niedersachsen zu Branchenthemen mit Landespressesprecher Joachim Czychy, Präsident Karl-Heinz Bley und Geschäftsführer Christian Metje (v.l.).
Foto: ProMotor/nds

Gegen Fahrverbote - Bley: Wir brauchen Vertrauen und Ruhe im Markt - Umsatzverluste von fast zwei Prozent auf 19 Milliarden Euro - Gebrauchtwagen-Markt verliert rund 260 Millionen Euro - Neuwagenpreis erstmals über 30.000 Euro - Rund 1,1 Millionen Autokäufe - SUV auf Platz eins der Segmente - Markenhandel im Gebrauchtwagen-Markt erstmals über 50 Prozent - Hervorragende Ausbildungs-Bilanz - Gutes Lkw-Geschäft - Für den Führerschein mit 16 - Prognosen mit vielen Fragezeichen

Großburgwedel. Nach dem Diesel-Gipfel auf Initiative von Umweltminister Lies hat das niedersächsische Kraftfahrzeuggewerbe eine "technikoffene und auf sachlicher Basis stehende Diskussion über Maßnahmen der Luftqualität" gefordert. Die aktuellen Debatten seien nicht geeignet, Vertrauen beim Verbraucher und Ruhe im Automobilmarkt zu erzeugen. In Niedersachsen müsse ein Streit um Fahrverbote, wie er sich zwischen Hannover und der Landesregierung abzeichne, vermieden werden. Unverändert setze sich nämlich die im Autojahr 2017 begonnene wirtschaftlich gefährliche Lage für den mittelständischen Automobilhandel und -service fort. Das niedersächsische Kfz-Gewerbe hat im vergangenen Jahr mit dem Verkauf neuer und gebrauchter Pkw und Lkw sowie mit dem Service 18,8 (Vorjahr: 19,2) Milliarden Euro Umsatz verbucht. Dies ist ein Minus von 1,9 Prozent. Im Gesamtmarkt in Niedersachsen stieg der Umsatz dagegen leicht auf 24,4 (Vorjahr: 24,3) Milliarden Euro. Die Betriebe des Kraftfahrzeuggewerbes haben einen Anteil an diesem Gesamtumsatz von 77,2 (Vorjahr: 79,0) Prozent. Insgesamt 1.168.299 neue und gebrauchte Pkw wurden verkauft, davon 784.406 in den Autohäusern. Karl-Heinz Bley, Präsident des Kfz-Landesverbandes Niedersachsen-Bremen, sagte vor Journalisten am Verbandssitz in Großburgwedel, zu den Ergebnissen des Autojahres 2017, quantitativ könne die Branche zufrieden sein, qualitativ nicht. Wörtlich: "Der Gebrauchtwagen hat verloren, etliche Neuzulassungen wurden im Rahmen der Diesel-Tauschprämien erkauft. Das ging zulasten der Umsatzrendite."  Das von den Diesel-Debatten belastete Kaufklima habe deutliche Spuren hinterlassen. Wörtlich: " Die von den VW-Manipulationen ausgelöste Debatte über die Diesel-Schadstoffe wird von einigen Seiten überhitzt und vielfach auch faktenfrei geführt. Wir kämpfen mit Unruhe, Unsicherheit und Ungewissheit. Es fehlen Vertrauen und vertrauensbildende Maßnahmen und Stellungnahmen."

Trotz der widrigen Begleitumstände im Markt sei das Kaufinteresse stabil geblieben. 1,17 Millionen Autokäufe seien zwar ein marginales Minus von 270 Käufen im Jahresvergleich, doch dürfe man die angeschobenen Neuwagenverkäufe durch die Diesel-Tausch-Prämie nicht vergessen. Diese subventionierten Neuwagen-Käufe seien zulasten des Gebrauchtwagen-Marktes erfolgt.

Die Jahresstatistik weise 358.447 Neuzulassungen und ein Plus von 1,6 Prozent sowie 809.852 Besitzumschreibungen mit einem Minus von 0,7 Prozent aus. Die Verunsicherung der Käufer habe zu deutlichen Diesel-Verlusten geführt. 22.177 neue und 351 gebrauchte Diesel seien im Jahresvergleich weniger verkauft worden.

Insgesamt seien 358.447 Neuwagen erstmals zugelassen worden. Der Umsatz mit dem Verkauf neuer Pkw im Gesamtmarkt betrage elf Milliarden Euro. Ein Plus von 4,2 Prozent. Der Automobilhandel habe 7,2 (Vorjahr: 7,0) Milliarden Euro umgesetzt. Ein Plus von 2,9 Prozent. 31 Prozent der Pkw-Neuzulassungen gingen an Privathaushalte, 69 Prozent an gewerbliche Abnehmer. Damit habe der niedersächsische Pkw-Markt einen um nahezu fünf Prozentpunkte kleineren Privatmarkt als im Bundesdurchschnitt. Private Autokäufer hätten mit 12,3 Milliarden Euro im Autojahr 2017 deutlich weniger ausgegeben als im Jahr 2016 mit 12,7 Milliarden Euro.

Der auf 30.660 Euro gestiegene durchschnittliche Neuwagenpreis sei vor allem auf ein steigendes Kaufinteresse für SUV zurückzuführen. Das zwischenzeitlich auf rund 80 Modelle gewachsene Segment habe im vergangenen Jahr mit 23,9 Prozent und einem Plus von rund 15 Prozent den ersten Rang belegt.  Die Kompaktklasse habe 5,1 Prozent verloren. Aber auch die Ausstattungen der Neuwagen sei deutlich umfangreicher geworden. 60 (Vorjahr: 52) Prozent der neuen Pkw verfügten über eine Freisprecheinrichtung, 92 (Vorjahr: 85) Prozent über einen Einparkassistenten oder -hilfen, 31 (Vorjahr: 24) über eine Rückfahrkamera und 24 (Vorjahr: 19) über einen Spurhalteassistenten.

Eine Besonderheit des niedersächsischen Marktes sei der hohe Anteil gewerblicher Verkäufe mit 69 Prozent. Dies seien rund fünf Prozentpunkte über dem Durchschnitt aller Zulassungen im Bundesgebiet. Dies werde auch in der Anzahl der privaten Käufe reflektiert, die 111.119 neue und 769.359 gebrauchte Pkw mit einem Volumen von 12,3 Milliarden Euro betrügen.

Diesel bei 37,9 Prozent

Trotz des hohen gewerblichen Anteils neuer Pkw in Niedersachsen sei der Diesel-Anteil auf 37,9 Prozent abgerutscht. Er liege rund einen Prozentpunkt unter dem Durchschnitt. Der Diesel habe in den vergangenen vier Jahren in Niedersachsen zwanzig Prozent verloren, denn im Jahr 2014 habe sein Anteil an den Neuzulassungen noch 47,6 Prozent betragen. Der Jahresstart im Januar und Februar zeige mit minus 16,7 und 27,6 Prozent, dass die Talfahrt des Diesels unverändert andauere. Bley: „Wir steuern beim Diesel auf eine wirtschaftlich gefährliche Situation zu.“

Die Wanderungsbewegung vom Diesel- zum Benzin-Pkw sei umweltpolitisch "in hohem Maße bedenklich", sagte Bley mit Hinweis darauf, dass im Jahr 2021 die von der EU vorgeschriebene CO2-Vorgabe von 95 Gramm pro Kilometer eingehalten werden müsse. Wörtlich: "Ich habe heute große Zweifel, ob dieser Grenzwerte zu erreichen ist."

Wenn man den Markt für gebrauchte Pkw in Gewinner und Verlierer klassifiziere, stehe der Markenhandel als Gewinner dar, sagte Landespressesprecher Joachim Czychy. Der reine Gebrauchtwagenhandel habe nämlich vier Prozentpunkte verloren und jetzt noch einen Marktanteil von 17 Prozent.

Der Privatmarkt bleibe stabil bei 32 Prozent, nachdem er im Jahr zuvor noch sieben Prozentpunkte eingebüßt habe. Erstmals habe der Markenhandel mit 51 Prozent Marktanteil mehr als die Hälfte aller niedersächsischen Pkw-Besitzumschreibungen verbucht.

Gebrauchte ohne Stabilität

Die Jahresbilanz weise 809.852 (Vorjahr: 815.662) Besitzumschreibungen aus. Ein Minus von 0,7 Prozent. Der Markt habe einen Schlingerkurs erlebt, sagte Czychy. Es habe an konjunktureller Stabilität gefehlt. 413.024 Verkäufe mit einem Umsatz von 6,2 Milliarden Euro im Markenhandel, 137.675 Umschreibungen mit einem Umsatz von rund 1,1 Milliarden Euro im reinen Gebrauchtwagen-Handel und 259.153 Umschreibungen im Volumen von 1,7 Milliarden Euro im Privatmarkt bildeten das Gesamtergebnis ab.

Der durchschnittliche Preis eines Gebrauchten habe sich auf 11.560 (Vorjahr: 11.630) Euro reduziert. In allen drei Teilmärkten sei der Preis im Jahresvergleich gesunken, wie auch die Laufleistungen der Gebrauchten im Fachhandel. Die Pkw aus dem Privatmarkt hätten auf durchschnittlich 106.770 Kilometer Laufleistung zugelegt. Im Markenhandel betrage diese 50.420 und im reinen Gebrauchtwagenhandel 84.150 Kilometer.

Czychy sagte, der Gebrauchtwagenmarkt gewinne trotz der "Diesel-Prämien-Delle im Autojahr 2017" von Jahr zu Jahr an Bedeutung für den Fachhandel. Im Jahr 2010 habe der Fachhandel 3,99 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet und rund 350.000 Gebrauchte verkauft. Der Gesamtmarkt seinerzeit habe 677.000 Besitzumschreibungen verbucht. Der Privatmarkt habe damals noch 42 Prozent Marktanteil erreicht. Heute sei der Fachhandel auch aufgrund der Kundenwünsche nach jungen und gut ausgestatteten Gebrauchtwagen der Marktführer.

Auffällig sei im vergangenen Jahr der Rückgang der "sehr jungen Gebrauchten bis 12 Monate" gewesen. Diesem Minus von 1,8 Prozent stehe ein Wachstum um 6,5 Prozent in der Altersklasse 12 bis 24 Monate gegenüber. Dies bestätige bei den stark gefragten jungen Gebrauchtwagen unverändert eine dynamische Entwicklung. Das Minus "bei den ganz jungen" resultiere aus dem geringeren Volumen der Eigenzulassungen des Handels im vergangenen Jahr, sagte Czychy.

Rund ein Drittel der gebraucht im vergangenen Jahr verkauften Pkw hätten die Schadstoffklasse Euro 5. Dies seien 94.694 von insgesamt 284.525 in Niedersachsen gebrauchten Diesel Pkw im Jahr 2017. Der Schadstoffklasse Euro 6 seien bereits 74.546 Fahrzeuge oder 26,2 Prozent zuzurechnen.

Im Jahresvergleich werde deutlich, dass auch der Gebrauchtwagen-Markt mit großen Schritten zum Euro 6-Diesel wechsele. Im Jahr 2016 seien es im niedersächsischen Pkw-Markt lediglich 17,8 Prozent oder 50.735 gebrauchte Pkw gewesen. Die Fahrzeuge der Schadstoffklasse Euro 5 bildeten seinerzeit 109.147 Gebrauchtwagen. Dies seien 38,3 Prozent gewesen. Der niedersächsische Gebraucht­wagen-Markt liege bei den Besitzumschreibungen nach Schadstoffklassen auf dem Bundesniveau.

Alternative ohne Bedeutung

Das Segment der alternativen Antriebe sei in Niedersachsen unverändert von geringer Bedeutung mit einer Quote von 3,2 (Vorjahr: 1,7) Prozent, teile Präsident Karl-Heinz Bley mit. Insgesamt weise diese Gruppe 11.287 (Vorjahr: 5.885) Neuzulassungen aus. Bei Gebrauchtwagen liege die Quote bei 1,8 (Vorjahr: 1,8) Prozent und 14.730 (Vorjahr: 14.245) Halterwechseln.

Führend im Ranking der alternativen Antriebe seien die Hybrid-Pkw mit 7.877 (Vorjahr: 3.948) Neuzulassungen und 2.893 (Vorjahr: 1.830) Besitzumschreibungen, während batteriebetriebene Fahrzeuge mit 2.229 (Vorjahr: 1.010) neuen und 539 (Vorjahr: 353) gebrauchten Pkw in der Statistik stünden. Dies seien Quoten von 0,6 bzw. 0,7 Prozent. Mit Blick auf die Umweltbilanz dürften Gas-Pkw nicht vergessen werden, die 11.298 (Vorjahr: 12.382) Umschreibungen und 1.181 (Vorjahr: 927) Neuzulassungen erreichten.

Bley sagte, von den Zulassungshöchstständen Ende der 2000er Jahren seien die Gas-Fahrzeuge noch weit entfernt, obgleich Niedersachsen unverändert ein "Hot-Spot" sei. Die Politik habe dabei mit ihrem unentschlossenen Hin und Her über die Steuervorteile am Rückgang der Gas-Pkw einen nicht unerheblichen Anteil. Kosten- und Umweltvorteile des Gas-Betriebs verdienten höheres Kaufinteresse. Die Quote für Niedersachsen betrage bei Erdgas 19,4 und bei Autogas 10,3 Prozent bei den Neuzulassungen.

Plus bei Werkstatt-Aufträgen

Nahezu konstant sei in der Bilanz des niedersächsischen Kfz-Gewerbes der Service, der im vergangenen Jahr um 0,6 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro lediglich leicht gewachsen sei. Das auf den ersten Blick kleine Plus, sagte Bley, sei durchaus beachtlich, denn der Service sei einem wachsenden Druck im Markt ausgesetzt. Auf der einen Seite sei dem Markt durch die Diesel-Eintausch-Quote ein Potenzial alter Fahrzeuge entzogen worden, auf der anderen Seite erlebe die Branche einen Rückgang der Schwarzarbeit. Pro Betrieb sei die Zahl der Aufträge um 2,7 Prozent auf 1.915 (Vorjahr: 1.864) gestiegen. Insgesamt habe es 7,45 (Vorjahr: 7,25) Millionen Werkstattaufträge gegeben.

Negative Einflüsse seien der Rückgang der Jahreskilometerfahrleistung auf 14.580 (Vorjahr: 15.320) Kilometer und den abnehmenden Wartungsumfang durch moderne Fahrzeugtechnik mit der Folge längerer Wartungsintervalle. Allerdings setzten dem Service in den niedersächsischen Kfz-Meisterbetrieben zunehmend Serviceverträge, Schadenssteuerung und der wachsende Teilehandel im Internet die Erlöse unter Druck.

Gute Lkw-Konjunktur

In Niedersachsen sind den Angaben Bleys zufolge im vergangenen Jahr 29.253 Lastwagen erstmals zugelassen worden. Dies sei ein Plus von 2,9 Prozent. Dabei gelte es zu berücksichtigen, dass das Segment zwischen 3,5 und 7,5 Tonnen deutliche Bremsspuren und das Segment bis 3,5 Tonnen deutliche Gasspuren gezeigt habe. Konkret seien dies fast acht Prozent minus und fünf Prozent plus.

Bley verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass aktuell die Nutzung von Autobahnen sowie über 2.000 Kilometer Bundesstraße in Deutschland für Lkw ab 7,5t mautpflichtig seien. 2016 beliefen sich die Einnahmen aus der Lkw-Maut auf 4,6 Milliarden Euro. Nach Abzug der Erhebungskosten verblieben für Erhaltung und Neubau der Bundesfernstraßen 3,4 Milliarden Euro.  Damit sei die Lkw-Maut der größte Einzelposten zur Finanzierung der Bundesfernstraßen, für die aktuell über 6 Mrd. Euro vorgesehen seien.

Ab Mitte 2018 erweitere sich die Mautpflicht auf alle Bundesstraßen. Der Bund erwarte dadurch Mehreinnahmen von etwa zwei Milliarden Euro jährlich abzüglich Erhebungskosten. Die Kreativität des Gesetzgebers zur Generierung weiterer Einnahmen zeige die von den Sondierungs- und Koalitionsverhandlungen überdeckten Diskussionen um die Absenkung der Mautpflicht auf 3,5 Tonnen sowie die Einbeziehung externer Kosten. Beides lehne der Landesverband ab.

Deutlich im Minus sei der Motorrad-Markt des Jahres 2017 mit Rückgängen von 17,8 Prozent auf 12.183 (Vorjahr: 14.817) Neuzulassungen. Trotz dieser Minuszahlen spreche die Branche nicht von einem nachlassenden Kaufinteresse am motorisierten Zweirad in Niedersachsen. Bley verwies er auf den Zulassungsboom des Jahres 2016, der seine Ursache in der Einführung der Homologationsvorschriften zum 1. Januar 2017 habe. Die damals bevorstehende Euro 4-Norm habe – vor allem im zweiten Halbjahr 2016 – zu vielen Tageszulassungen durch Händler und vorgezogenen Privatkäufen geführt.

 Umsatzrendite schrumpft

"Viel verkauft, weniger verdient" könnte ein Leitsatz für das Autojahr 2017 sein, denn die Umsatzrendite ist, wie Bley sagte, von 1,6 auf 1,4 Prozent geschrumpft. Wesentlichen Anteil an diesen unzureichenden Erlösen habe die "teuflische Diesel-Diskussion", denn der Automobilhandel habe nicht nur weniger verkauft, sondern müsse Restwerte markant nach unten korrigieren und für immer längere Standtage beim Verkauf gebrauchter Diesel immer höhere Kosten aufbringen.

Statistisch betrachtet stünden auf den Höfen der niedersächsischen Automobilhändler rund 30.000 Euro 5-Diesel "wie Blei und angewachsen". Das führe zu teilweise existenziell bedrohlichen Belastungen. Deswegen forderten die Autohäuser Unterstützung von Herstellern und Importeuren. Dies werde bereits von Mercedes und BMW geleistet sagte Bley und ergänzte, dass alle Hersteller und Importeure in dieser Frage gefordert seien.

Mehr neue Auszubildende

Besonders zufrieden zeigte sich der Präsident des Kfz-Gewerbes in Niedersachsen mit der Ausbildungsbilanz. 2.697 neue Ausbildungsverträge für den Kfz-Mechatroniker seien ein überdurchschnittliches Plus von 4,5 Prozent. Automobilkaufleute seien mit einem Plus von 5,6 Prozent auf 564 Auszubildende in der Bilanz vertreten. Hinzu kämen noch 264 neue Ausbildungsverträge für den Lackierer und 33 für den Zweiradmechatroniker in der Fachrichtung Motorrad.

Trotz dieser Steigerungen sei es nicht gelungen, alle Ausbildungsstellen zu besetzen. Bley verwies darauf, dass alle freien Lehrstellen und Praktika einerseits über die bundesweite App www.lehrstellen-radar.de, aber auch über die regionalen Lehrstellenbörsen der Hand­werkskammern, Kfz-Innungen und Kreishandwerkerschaften veröffentlicht würden. In diesem Zusammenhang begrüßte Bley das im Entwurf der Koalitionsvereinbarung in Berlin formulierte Ziel eines Berufsbildungspaktes mit digitaler Ausstattungsoffensive für berufliche Schulen, bessere Leistungen durch Aufstiegs-BAföG für Gleichwertigkeit von akademischer und beruflicher Bildung sowie höheren Zuschüssen für Techniker, Meister und Fachwirte.

Noch sei man skeptisch, was sich hinter der Formulierung „Einführung einer Mindestausbildungsvergütung und Ausbildungsberufe werden modernisiert“ verstecke. Die Berufe im Kraftfahrzeuggewerbe seien nach den jüngsten Aktualisierungen auf dem "besten Stand der Technik in Service und Handel". Die beabsichtigte weitere Stärkung der Dualen Ausbildung sei "ein plakatives Wort, dem es noch an Inhalt fehlt".  

Die Prognosen für das neue Autojahr stünden mit vielen Fragezeichen auf dünnem Eis. Aufgrund der weiterhin guten Wirtschafts-, Einkommens- und vor allem Beschäftigungsentwicklung falle der Ausblick für das Jahr 2018 insgesamt positiv aus. Erste Anzeichen einer Zinswende dürften nicht vergessen werden. Allerdings stehe die Branche vor durchgreifenden Veränderungen in Service und Handel durch die Digitalisierung und die von Herstellern gewollten Strukturveränderungen, teilweise mit Zugriffen auf das Flottengeschäft.

Da allerdings die auslaufenden Dieselprämien zu Gegeneffekten im zweiten Halbjahr führen könnten, erwarte der Verband ein langsameres Wachstum. Trotz aller Skepsis, die auch aus den weiterhin zu befürchtenden Diesel-Debatten und Diskussionen um Fahrverbote entstünden, gehe der Verband von einer stabilen Anzahl von Autokäufen aus: 1,18 Millionen Autokäufe, davon 370.000 neue und 810.000 gebrauchte Pkw.

Der Jahresstart sei gelungen. Plus 8,3 Prozent bei neuen Pkw zeige ein unverändert hohes Kaufinteresse. Allerdings trübe der große Rückgang beim Diesel um 22,3 Prozent für Januar und Februar die Freude über die guten Zulassungszahlen. Im Geschäft mit gebrauchten Pkw liege man leicht über dem Vorjahresergebnis mit plus 0,3 Prozent. Hier sei der Diesel stabil. Bley sagte ergänzend, in den ersten beiden Monaten seien rund 27 Prozent der gebraucht umgeschriebenen Diesel bereits der Schadstoffklasse 6 zuzuordnen. Dies zeige, dass "es aufwärts geht".

Ein Fragezeichen sei die noch ungeklärte Dauer der Diesel-Tausch-Prämien, die bereits zum Jahresstart kräftige Wirkung gezeigt habe. Beim Diesel gehe man vor allem bei neuen Fahrzeugen von weiteren Minuszahlen aus. Der Jahresstart lasse eine weitere Talfahrt befürchten. Optimistischer sei man für das Geschäft mit Firmenwagen. Bley: "Die Chancen für einen weiteren Zulassungsrekord im Flottenmarkt stehen gut."

Das Werkstattgeschäft werde auf dem Niveau des Vorjahres weiterhin leicht wachsen. Sollte indes die Nachrüstung für vor allem für Euro 5- und Euro 6-Diesel-Fahrzeuge beschlossen werden, erfahre der Service Impulse. Der Service sei ein gesättigter Markt, denn der höhere Fahrzeugbestand stehe einem durch die moderne Fahrzeugtechnik geringerem Wartungsvolumen gegenüber. Mehr Fahrzeuge bedeuteten also nicht automatisch einen größeren Wartungsaufwand. Der Pkw-Bestand in Niedersachsen sei um 1,5 Prozent auf 4.674.059 Fahrzeuge gestiegen. Die Branche müsse sich aber vor allem auch im freien Bereich stärker als bisher mit den Möglichkeiten und Chancen der Digitalisierung beschäftigen. Bley: "Das neue Auto von heute ist das ältere Fahrzeug von morgen, das vor allem nach Halterwechseln in die Hände der Freien Werkstätten kommt."

Die Elektromobilität werde auch nach den vagen Formulierungen und Vorhaben im Vertrag der Großen Koalition in Berlin noch in den Kinderschuhen bleiben. An die Adresse der Politik richtete Bley den Appell, realistische Ziele zu setzen und das jetzt schon hohe Maß an finanzieller Förderung der Elektro-Fahrzeuge nicht zulasten anderer Antriebskonzepte weiter auszubauen.

Letzte Änderung: 27.03.2018Webcode: 0119012