Ein turbulantes Autojahr mit Verlusten im Verkauf

Jahrespressekonferenz Niedersachsen zu Branchenthemen mit Landespressesprecher Joachim Czychy, Präsident Karl-Heinz Bley und Geschäftsführer Christian Metje (v.l.)
Foto: ProMotor/nds

Gesamtumsatz steigt auf 24,7 Milliarden Euro - Marktanteil des Kfz-Gewerbes leicht im Minus - Diesel belasten Verkauf und Umsatzrendite - Service bleibt expansiver Geschäftsbereich - Gebrauchtwagen-Export mit steigenden Zahlen - Positive Ausbildungsbilanz - Forderungen nach Hardware-Nachrüstung und Grenzwerte-Check - Kfz-Gewerbe begrüßt Novellierung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes

Großburgwedel. Trotz zum Teil deutlicher Verluste im Neu- und Gebrauchtwagengeschäft für Pkw sind die Umsätze im niedersächsischen Automarkt gestiegen. Durch Zuwächse im Lkw-Geschäft und einem expansiven Service-Geschäft sei es gelungen, den Gesamtumsatz um 1,4 Prozent auf 24,7 Milliarden Euro zu steigern. Diese Entwicklung begünstigt hat auch die Tatsache, dass beim Autokauf wieder mehr Geld ausgegeben wurde. So ist der Durchschnittspreis eines Neuwagens in Niedersachsen auf 31.270 € (Vorjahr 30.660) Euro gestiegen. Beim Gebraucht­wagen hat es eine Bandbreite der Durchschnittspreise von 15.610 (Vorjahr: 15.110) Euro im Markenhandel bis zu 7.730 (Vorjahr: 6.700) Euro im Privatmarkt gegeben. Der Umsatzanteil der Autohäuser und Kfz-Meisterbetriebe liegt bei 76,2 (Vorjahr: 77,2) Prozent oder 18,9 Milliarden Euro. Die Sondereinflüsse im Autojahr 2018, das fortdauernde Lieferproblem nach dem 1. September, als der neue Umweltstandard WLTP für die Zulassung neuer Modelle wirksam geworden und die Diesel-Tausch-Prämie, die "eine Rabattaktion im neuen Geschenkpapier" zulasten der Unternehmen und Privatkunden gewesen sei, hätten die Qualität der Geschäfte belastet. Die Umsatzrendite im Kraftfahrzeuggewerbe sei vor Steuern auf einen der niedrigsten Werte mit 1,2 Prozent gesunken. Nach einem "schwachen Jahresstart mit deutlichen Sondereffekten" schaue das niedersächsische Kraftfahrzeuggewerbe "sehr verhalten" in das Autojahr 2019. Das Klima rund um die individuelle Mobilität werde zunehmend durch ideologisch geprägte Debatten belastet. Das Kfz-Gewerbe begrüßte die Pläne der Bundesregierung, noch im März mit einer Änderung des Immissionsschutzgesetzes die Grenzwerte "vom starren Wert 40 Mikrogramm zu flexibilisieren".

Karl-Heinz Bley, Präsident des Kfz-Landesverbandes Niedersachsen-Bremen, sagte vor Journalisten am Verbandssitz in Großburgwedel, das Autojahr 2018 werde als eines der turbulentesten und von "Sondereinflüssen von innen und von außen" in die Geschichte eingehen. Ein Beispiel seien die Neuzulassungen im August und im September des vergangenen Jahres. Im August habe es in Niedersachsen durch hohe Eigenzulassungen Pluszahlen von rund 40 Prozent gegeben, im September seien die Verluste ebenso bei 40 Prozent gewesen. Der Handel sei in dieser Phase der "WLTP-Nachwehen" nicht nur mit Lieferschwierigkeiten, sondern auch mit deutlichen Rabattaktionen belastet worden.

Insgesamt sind den Angaben Bleys zufolge in Niedersachsen im vergangenen Jahr 1,14 (Vorjahr: 1,17) Millionen Pkw, davon 351.474 Neuwagen, gekauft worden. Dies seien Verluste im Handel von rund 30.000 Neu- und Gebrauchtwagen und eine Umsatzeinbuße von rund 400 Millionen Euro. Das ohnehin negative Neuwagengeschäft habe einen weiteren Makel durch die Tatsache, dass 27,9 Prozent aller Neuzulassungen bundesweit eigene Zulassungen von Herstellern und Handel gewesen seien. Bley: "Es ging mal wieder um Statistik-Kosmetik." In Niedersachsen liege die Quote der Eigenzulassungen deutlich über 30 Prozent.

Kraftstoff wurde
wieder teurer

Für die Autofahrer sei neben der anhaltenden Diskussion um den Diesel auch die Steigerung der Kraftstoffpreise eine erhebliche Mehrbelastung. Im Vergleich zum Dezember 2017 seien die Benzinpreise um rund elf Prozent, die Dieselpreise um etwa 20 Prozent gestiegen. Steigende Kraftstoffpreise hätten aber auch Auswirkungen auf das Kaufverhalten von Pkw mit alternativen Antrieben.

So seien die Pkw-Neuzulassungen um 1,9 Prozent auf 351.474 Verkäufe gesunken. Auch Gebrauchtwagen seien im vergangenen Jahr weniger gefragt gewesen: 791.312 Besitzumschreibungen entsprächen einem Minus von 2,3 Prozent. Die positive Entwicklung im Segment der Neuwagen mit alternativen Antrieben mit einem Plus von 20,5 Prozent auf 13.605 Neuzulassungen habe die Verluste nicht ausgleichen können. "Alternative" hätten einen Anteil von 3,9 (Vorjahr: 3,1) Prozent.

Diesel-Pkw für
gewerbliche Kunden

Die Verbraucher wendeten sich bei Neufahrzeugen zunehmend vom Diesel ab. Der im Vergleich zum Vorjahr trotzdem nicht ins bodenlose gefallene Absatz werde aber noch stärker als zuvor von den gewerblichen Kunden getragen. Bei gebrauchten Diesel-Pkw sei eine besondere Zurückhaltung bei Euro-5-Dieseln zu verzeichnen, obwohl diese relativ jung seien und dazu beitragen könnten, die Reduzierung der Stickoxide weiter zu verbessern.

Von dieser Entwicklung profitierten insbesondere exportorientierte Autohändler, und auch Verbraucher außerhalb der deutschen und niedersächsischen Grenzen freuen sich über hochwertige und trotzdem kostengünstige Fahrzeuge aus dem Mutterland der Dieseltechnologie, sagte Landespressesprecher Joachim Czychy. Es sei eine betriebswirtschaftliche Zwangslage, denn statistisch betrachtet seien in Niedersachsen rund 35.000 Euro 5-Diesel sogenannte Langsteher auf den Höfen des Automobilhandels.

Der Vorwurf aus der Politik in Deutschland und in Europa, man verschiebe Umweltbelastungen in den ost- und südosteuropäischen Raum, wies Czychy zurück. Die Nachfrage sei ebenso groß wie die Notlage der Betriebe, die pro Tag und pro Fahrzeug 30 Euro Standkosten zu verbuchen hätten. Druck auf die Erträge habe es durch die Umweltprämien, von denen ein Teil vom Handel zu tragen gewesen seien und das Risiko der Weitervermarktung von Euro 5-Dieseln gegeben. Das sei nach einer ZDK-Umfrage im Handel nur mit Abschlägen bis zu 30 Prozent und teilweise höher möglich gewesen.

Die Entwicklung der Diesel-Quote in den Jahren 2016 bis 2018 verdeutliche die Talfahrt des Diesels aufgrund der anhaltenden Verunsicherung und oft "faktenfreien Debatten ideologisch geprägter Gruppen, die unter dem Deckmäntelchen einer vermeintlichen Gesundheitsvorsorge zur Attacke gegen den Individualverkehr blasen". Bei den Neuzulassungen sei die Quote von 44,8 Prozent im Jahr 2016 über 37,8 Prozent auf 33 Prozent im Vorjahr gesunken. Dies entspreche 116.130 Diesel-Neuzulassungen im Jahr 2018, 135.755 Verkäufe im Jahr 2017 und 157.932 Erstzulassungen im Jahr 2016. Bley: "Das sind Einbußen von fast 42.000 Verkäufen."

Im größten deutschen Flächenland Niedersachsen müsse bei allen kontroversen Debatten über eine Mobilitätswende die Erkenntnis bleiben, dass das Automobil im ländlichen Raum ohne "öffentliche Alternative" sei. Es sei daher töricht, das Automobil in die Ecke des Umweltverschmutzers stellen zu wollen, ohne dafür eine faktensichere Basis zu haben. Bley lehnte alle Bestrebungen zur Verteuerung der individuellen Mobilität ab, wie sie jüngst von der Regierungskommission "Nationale Plattform Zukunft der Mobilität" gefordert worden sei. Ebenso erteilte Bley der Forderung nach einem Tempolimit auf deutschen Autobahnen eine klare Absage. Wörtlich: "Wenn Argumente fehlen, folgt die Generalattacke."

Autopreise
gestiegen

Die durchschnittlichen Preise für neue und gebrauchte Pkw sind den Angaben Bleys zufolge vor allem durch die Kundenwünsche nach Sicherheit, Komfort und Umweltverträglichkeit gestiegen. Mehrausstattungen und Assistenzsysteme schlügen sich ebenso im neuen Neuwagenpreis von 31.270 (Vorjahr: 30.660) Euro nieder. Auch der gestiegene SUV-Anteil um 13,7 Prozent auf einen aktuellen Anteil an allen Neuzulassungen von 27,8 (Vorjahr: 24,4) Prozent habe zum Anstieg des Durchschnittspreises um knapp zwei Prozent geführt. Ebenso schlügen sich die Wünsche nach Mehrausstattungen nieder.

So seien nach Erhebungen der DAT 38 (Vorjahr: 30) Prozent aller Neuwagen mit einem Notbremsassistenten oder 35 (Vorjahr: 31) Prozent der Neuwagen mit einer Rückfahrkamera ausgestattet. 45 (Vorjahr: 40) Prozent aller Neu- und Gebrauchtwagen verfügten über ein Navigationssystem und 65 (Vorjahr: 59) Prozent über einen Tempomaten.

Deutlich gestiegen sei der durchschnittliche Preis eines gebrauchten Pkw auf 11.870 Euro. Zwei Gründe seien maßgeblich: zum einen der unveränderte Kundenwunsch nach sehr jungen, gut ausgestatteten Gebrauchten und die Diesel-Tausch-Prämien, die den Markt für sehr preiswerte Gebrauchtwagen "nahezu leergefegt haben".

Dies habe im Besonderen der reine Gebrauchtwagenhandel und auch der Verkauf privat/privat gespürt. Die durchschnittlichen Preise auf dem Privatmarkt seien um 15,4 Prozent auf 7.730 Euro gestiegen.

Verluste im
Fachhandel

Im Gebrauchtwagenmarkt, berichtete Czychy, habe der Fachhandel leichte Verluste hinnehmen müssen auf einen Marktanteil von 66 (Vorjahr: 67) Prozent. Gewinner sei der Privatmarkt, der mit einem Plus von einem Prozentpunkt auf 34 Prozent Marktanteil 269.048 Verkäufe erreichte. Der Markenhandel habe die Hälfte aller Besitzumschreibungen verkauft. Dies seien 395.656 (Vorjahr: 413.024) Besitzumschreibungen. Der reine Gebrauchtwagenhandel habe im vergangenen Jahr 126.610 (Vorjahr: 137.675) Gebrauchtwagen mit einem um drei Prozent auf 7.890 Euro gesunkenen Durchschnittspreis.

Elektro bleibt
in der Nische

Die Elektromobilität habe auch im Jahr 2018 den Status einer Nische nicht verloren, sagte Bley. Mit 3.031 (Vorjahr: 2.229) Pkw-Neuzulassungen und einer Quote von 0,9 (Vorjahr: 0,6) Prozent sei der Stromer in Niedersachsen unterdurchschnittlich präsent. Auch im Gebrauchtwagenmarkt gebe es mit 657 (Vorjahr: 539) Halterwechsel und einer Quote von 0,08 (Vorjahr: 0,07) Prozent lediglich marginale Aufwärtstendenzen. Bley erklärte, es sei noch ein weiter Weg zu einer elektrisch getragenen Mobilität aus "sauberem Strom".

Den Nutzen von Elektroautos zieht Bley aber nicht in Zweifel: "E-Mobilität wird uns zukünftig im Alltag begleiten. Wir dürfen uns nur nicht darüber hinwegtäuschen lassen, dass ihr Einsatzbereich begrenzt ist. E-Fahrzeuge machen wirtschaftlich und ökologisch Sinn, wenn sie innerhalb eines überschaubaren und planbaren Radius eingesetzt werden." Er mahnte außerdem einen kritischen Blick auf die Ökobilanz der Stromer an: "Machen wir uns nichts vor: Die Gewinnung von Lithium, Kobalt, Seltener Erden, die für die Akkus verwendet werden, stellt jenseits der sozialen Probleme in den Erzeugerländern auch ein Umweltproblem dar."

Dass die Elektromobilität trotz verschiedener Subventionsprogramme von Staat und Herstellern weiter in den Kinderschuhen stecke, zeige sich auch in der Jahresbilanz 2018 für die Elektroprämie in Niedersachsen, die mit minus 6,9 Prozent auf niedrigem Niveau "ernüchternd" ausgefallen sei. 3.446 Anträge habe es im Jahr 2017 gegeben, 3.209 seien es im Autojahr 2018. Die gesamte Fördersumme für den niedersächsischen Automarkt seit dem Jahr 2016 betrage nach Darstellung Bleys rund 27 Millionen Euro aus dem mit 1,2 Milliarden Euro gefüllten Fördertopf.

Auch die Lücken in der Ladeinfrastruktur seien ebenso wie die höheren Preise für neue Stromer ein Hindernis in der automobilen Entwicklung. Bley warnte, diese Technologie dürfe nicht im Wege der politischen Quote bevorzugt werden. Bereits die Elektro-Prämie sei eine Subvention und verzerre den Wettbewerb.

Die Ladeinfrastruktur in Niedersachsen sei mit 644 Säulen noch lückenhaft. Die Bundesnetz­agentur veröffentliche bewusst nur die Ladepunkte, die den Anforderungen der Ladesäulen­verordnung genügten, um somit ein besonderes Augenmerk auf die technische Sicherheit der Anlagen zu legen.

Service legt
wieder zu

Einmal mehr hat den Angaben Bleys zufolge der Service seine Bedeutung für das Gesamtgeschäft in den niedersächsischen Autohäusern und Kfz-Meisterbetrieben mit einem Umsatzplus von 4,7 Prozent bewiesen. Der Umsatz sei auf 3,3 (Vorjahr: 3,16) Milliarden Euro gestiegen. Im Service des Autojahres 2018 sei auffällig, dass die durchschnittlichen Wartungskosten um 4,4 Prozent auf 275 Euro gesunken seien, beim durchschnittlichen Reparaturauftrag sei man um zehn Euro auf 177 Euro teurer geworden. Nach Erhebungen der DAT würden Wartungsarbeiten an 69 Prozent und Reparaturarbeiten an 31 Prozent der Pkw durchgeführt.

Zum Wartungsplus beigetragen habe auch die höhere Jahreskilometerleistung von 14.920 (Vorjahr: 14.580) Kilometern. Dieses Plus von 2,3 Prozent habe statistisch betrachtet in Niedersachsen zu einer Kilometer-Mehrleistung von 1,5 Milliarden geführt.

Nachrüstung muss
schnell kommen

Noch immer ohne Entscheidung sei die Frage der Nachrüstung, sagte Bley mit dem Hinweis, der Bundesverkehrsminister habe zwar rechtliche und technische Vorgaben publiziert, doch zur Stunde gebe es nicht ein einziges genehmigtes System zum nachträglichen Einbau zur Emissionsreduzierung für Euro 5- oder Euro 4-Diesel-Pkw. Bley forderte von der Automobilindustrie ein markenübergreifendes Ende der "versteckten Blockadehaltung". Auch wenn die Industrie rechtlich nicht zur Verantwortung gezogen werden könne, sehe - so wörtlich -"ich die Hersteller in einer moralischen Pflicht".

Die Politik müsse jetzt handeln, denn die aktuellen Diskussionen über Grenzwerte und deren Sinnhaftigkeit lenke einmal mehr von einem ganzheitlichen Konzept ab. Man könne nicht heute hier und morgen mal da etwas korrigieren wollen und dabei den Gesamtplan aus den Augen verlieren. Bley wörtlich: "Wir brauchen von allen Beteiligten eine faktenbasierte Transparenz, die Vertrauen schafft und nicht die Verunsicherung weiter schürt."

Kritik an den
Grenzwerten

Bley kritisierte die Stickoxid-Grenzwerte und verwies auf die Initiative der niedersächsischen CDU, die von der Bundesregierung eine Kommission fordere, deren Aufgabe es sein müsse, die toxikologische Bewertung der bestehenden Grenzwerte bei Stickoxiden zu überprüfen. Unterstützung gebe es aus Baden-Württemberg, vor allem aber aus Kreisen der führenden Lungenfachärzte, die "eine fehlende wissenschaftliche Begründung für die Grenzwerte" vermissten. Die Pläne der Bundesregierung, mit einer Gesetzesänderung den Grenzwert auf bis zu 50 Mikrogramm zu lockern, sei der richtige Weg aus einer zunehmend ideologisch geprägten Verkehrswende.

Bley begrüßte die Position von Ministerpräsident Weil, der in einem Interview mit dem Berliner Tagesspiegel die "Politik in der Pflicht, Fahrverbote für Dieselfahrzeuge wenn irgend möglich abzuwenden" gesehen habe. Dieselfahrer hätten oft viel Geld für ihre Fahrzeuge ausgegeben. Dürften sie in Zukunft nicht mehr in größere Städte hineinfahren, würden sie sich „im Wortsinne ausgeschlossen und diskriminiert“ fühlen. Das müsse verhindert werden.

Wenn in diesem März der Bundestag die Novelle des Immissionsschutzgesetzes verabschiede, könnten Fahrverbote vermieden werden. Brüssel habe bereits den leichten Grenzwert­überschreitungen zugestimmt. In Niedersachsen lägen Hannover, Oldenburg und Osnabrück laut der jüngsten Daten des Umweltbundesamtes im Toleranzbereich zwischen 40 und 50 Mikrogramm, bei dem Fahrverbote noch vermieden werden könnten.

Nutzfahrzeuge
legen wieder zu

Der Nutzfahrzeugmarkt in Niedersachsen setzte seinen positiven Trend aus dem Jahr 2017 auch 2018 fort. Mit 30.192 Einheiten, das entspreche einem Wachstum von 3,6 Prozent, liege der Nutzfahrzeugbereich bei den Neuzulassungen erneut auf Rekordniveau. Zu diesem Ergebnis trügen alle Gewichtsklassen bei: Der Absatz leichter Nutzfahrzeuge sei bundesweit um 5,5 Prozent, Neuzulassungen schwerer Fahrzeuge über 16t (inkl. Busse) um drei Prozent gestiegen. Im Autojahr 2018 seien in Niedersachsen 38.811 (Vorjahr: 38.097) gebrauchte Nutzfahrzeuge verkauft worden.

Im Verkauf neuer Nutzfahrzeuge sei mit einem Umsatzplus von 5,1 Prozent auf 785 Millionen Euro eine neue Bestmarke erreicht worden. Das Geschäft mit gebrauchten Nutzfahrzeugen bescherte mit einer Steigerung von 2,5 Prozent der Umsatzbilanz einen Beitrag von 412,3 Millionen Euro.

Zuwachs bei
den Motorrädern

Auch der Motorrad-Markt Niedersachsen habe Zuwächse verbuchen können. 13.154 Vorjahr: 12.183) neue Motorräder, Leichtkrafträder, Leichtkraftroller und Kraftroller und 52.759 (Vorjahr: 51.931) gebrauchte Zweiräder zählten zur Jahresstatistik.

Bundesweit sei die Zahl der Ausbildungsverträge 2018 für die Zweiradmechatroniker im dritten Jahr in Folge gestiegen. Insgesamt seien 924 Ausbildungsverträge neu abgeschlossen worden. Im Vergleich zu 2017 entspreche dies einem Plus von 69 Verträgen oder eine Steigerung von 8,1 Prozent.

"Meister muss
Meister heißen"

Mit den Worten "der Meister muss auch morgen noch Meister heißen" sprach sich Bley gegen Pläne der Bundesregierung aus, mit einer höchst fragwürdigen Namenskür für den Meister "den international bekannten Begriff eines Berufsbachelor" einzuführen. Dies sei keine Aufwertung in der Beruflichen Bildung, sondern ein großer Bärendienst. Die Initiative der Bundesbildungs­ministerin sei weder ein geschützter Begriff noch inhaltlich wertvoll. Bley: "Es gibt drängendere Herausforderungen in der Bildungspolitik als Namensspiele."

Wenn die Politik in Berlin das Jahr 2019 zu einem "Jahr der Ausbildungsberufe" machen wolle, dann sei beispielsweise die Frage einer Mindestvergütung in der Ausbildung ein Bärendienst und ein - so wörtlich - tiefer Eingriff in die Tarifautonomie.

Ausbildungs-Bilanz

 "Wir sind für den Service der Zukunft gut aufgestellt." Mit diesen Worten legte Bley die niedersächsische Ausbildungsbilanz vor. Das niedersächsische Kfz-Gewerbe verbuchte Bleys Angaben zufolge eine wechselvolle Ausbildungsbilanz. Nachdem man im vergangenen Jahr nicht alle Ausbildungsplätze habe besetzen können, sei das Interesse für die Auto-Berufe in diesem Jahr deutlich gestiegen. 1,9 Prozent Plus bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen für Kfz-Mechatroniker und 2,7 Plus beim Automobilkaufmann/-frau seien positiv. Dies entspreche 2.748 (Vorjahr: 2.697) neuen Mechatronikern und 579 (Vorjahr: 564) neuen Kaufleuten. Insgesamt seien in Niedersachsen 126 (Vorjahr: 105) Ausbildungsverträge bei den Zweiradmechatronikern neu abgeschlossen worden. Dies entspricht einem Plus von 20,4 Prozent.

Perspektive mit
vielen Fragezeichen

Die Perspektive im Automobilmarkt 2019 in Niedersachsen sei mit vielen Fragezeichen bestückt, die eine seriöse Prognose nahezu unmöglich machten. Die Marktverzerrungen durch Diesel-Tausch-Prämien hielten an, die für den Service wichtige Frage der Diesel-Nachrüstung sei noch immer ungeklärt und die gesamtwirtschaftlichen Prognosen schlössen einen Abschwung nicht mehr aus. Zudem fehle der automobilen Konjunktur, vor allem durch die ungeklärten Grenzwerte-Debatten eine verlässliche Grundlage.

Die Branche gehe mit verhaltener Vorsicht ins neue Autojahr und erwarte im Geschäft mit gebrauchten Pkw ein Volumen um 800.000 Besitzumschreibungen und prognostiziere für die Pkw-Neuzulassungen einen Absatz zwischen 350.000 und 360.000 Verkäufen. Der niedersächsische Nutzfahrzeugmarkt werde stabil bleiben und knapp 70.000 neue und gebrauchte Nutzfahrzeuge bilanzieren können.

Bley sagte abschließend, das Autojahr 2019 berge Risiken und werde der Branche "vieles abverlangen". Mit 190 neuen Modellen, darunter 13 Stromer und 64 SUVs und auch dem Volumen-Modell Golf in der achten Generation, könnten für eine Marktbelebung sorgen. Unter dem Konjunktiv habe die Branche aber auch im vergangenen Autojahr gelitten. In einem Jahr wissen wir mehr. Der Jahresstart sei nicht gelungen.

Minus fünf Prozent bei den Neuzulassungen, davon minus 21,4 Prozent bei Benzinern und plus 25,3 Prozent bei Diesel-Pkw lasse vermuten, dass die WLTP-Probleme noch nicht bereinigt worden seien. Positiv hingegen sei im Januar das Gebrauchtwagengeschäft mit einer Steigerung von 3,7 Prozent auf 68.828 Besitzumschreibungen verlaufen.

Letzte Änderung: 05.03.2019Webcode: 0123578