Gebrauchte und Service mit neuen Rekordzahlen

Jahrespressekonferenz 2017 zu Branchenthemen mit Geschäftsführer Christian Metje, Präsident Karl-Heinz Bley und Landespressesprecher Joachim Czychy.
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Umsatz steigt auf 24,3 Milliarden Euro - Automarkt in heftigen Turbulenzen - Erstmals Minuszahlen bei Neuzulassungen - Diesel verliert kräftig - Fachhandel gewinnt erneut  Marktanteile - Service legt fast sechs Prozent zu  - Privatkunden investieren 12,7 Milliarden Euro - Höhere Durchschnittspreise - Elektro-Mobilität enttäuscht - Ausbildungsbilanz mit Steigerungen- Prognose mit Fragezeichen - Digitalisierung und alternative Antriebe die Herausforderungen - Abgasmessung für bessere Luft - Neue Abgas-Grenzwerte könnten "teuer" werden.

Großburgwedel. Der niedersächsische Automarkt lag 2016 in heftigen Turbulenzen: Als einziger Automarkt in Deutschland hat Niedersachsen im Neuwagen-Geschäft Verluste bei den Neuzulassungen hinnehmen müssen. Die markenspezifischen Sondereffekte drückten die Verkäufe auf 352.867 (Vorjahr: 361.241) Pkw-Neuzulassungen deutlich nach unten. Die Marktverluste von VW im vergangenen Jahr von bundesweit 4,3 Prozent schlügen sich im "Heimatmarkt Niedersachsen" besonders stark nieder. Der Umsatz mit neuen Pkw stieg stark unterdurchschnittlich um 0,6 Prozent. Dennoch gebe es insgesamt eine positive Jahresbilanz, sagte Karl-Heinz Bley, Präsident des Kfz-Landesverbandes Niedersachsen-Bremen, vor Journalisten. Starke Aktiva seien der Service und ein Gebrauchtwagengeschäft, das "uns in Quantität und Qualität positiv überrascht hat". Erneute Marktanteilsgewinne bei Gebrauchten und ein zweistelliges Wachstum der Service-Aufträge führten letztlich zu einem Gesamtumsatz im Geschäft mit neuen und gebrauchten Pkw und Lkw sowie dem Service in Höhe von 24,3 Milliarden Euro. Dies sei ein Plus von 5,2 Prozent. Das Kfz-Gewerbe in Niedersachsen habe seinen Umsatzanteil um 10,9 Prozent auf 19,2 Milliarden Euro gesteigert. In das neue Autojahr sei der niedersächsische Automarkt unterschiedlich gestartet. Bei den Neuzulassungen habe es mit 1,4 Prozent ein kleines und für Diesel mit 9,5 Prozent ein großes Minus gegeben. Gebrauchtwagen hingegen legten kräftig um 8,5 Prozent zu. Diese Entwicklungen zeigten, dass es für die automobile Konjunktur in Niedersachsen einige Fragezeichen gebe.

Das Autojahr 2016 in Niedersachsen habe mit 1,2 Millionen Autokäufen das Vor­jahresergebnis marginal um 0,1 Prozent übertroffen. Dies sei im Bundesvergleich ein unterdurchschnittliches Ergebnis. Die dynamische Nachfrage nach Gebrauchtwagen und hier im Besonderen nach jungen Gebrauchtwagen habe die Verluste im Neuwagengeschäft zahlenmäßig ausgleichen können. Die Umsätze indes, sagte Bley, seien deutlich gewachsen.

Bleys Angaben zufolge entwickelte sich der Automarkt in Niedersachsen wie folgt:

- 24,3 Milliarden Euro Gesamtumsatz, plus 5,2 Prozent.

- Anteil des Kfz-Gewerbes: 19,2 Milliarden Euro, plus 10,9 Prozent.

- Neuwagenumsatz im Markt: 10,6 Milliarden Euro. Ein Plus von 0,6 Prozent.

- Neuwagenumsatz Automobilhandel: 7,3 Milliarden Euro, ein Plus von 7,3 Prozent.

- Gebrauchtwagenumsatz im Markt: 9,5 Milliarden, ein Plus von 10,1 Prozent.

- Anteil Fachhandel: 7,6 Milliarden Euro, ein Plus von 17,3 Prozent.

- Service-Umsatz: 3,2 Milliarden Euro, ein Plus von 5,7 Prozent.

- Nutzfahrzeuge neu: 736 Millionen Euro, ein Plus von 11,5 Prozent

- Nutzfahrzeuge gebraucht: 391,9 Millionen Euro, plus 6,4 Prozent

- Gesamtumsatzrendite vor Steuern 1,6 (Vorjahr: 1,4) Prozent.

Der niedersächsische Automarkt habe 2016 den Anschluss an das dynamische Wachstum im Bundesdurchschnitt verpasst. Minus 2,3 Prozent und 352.867 Neuzulassungen bedeuteten einen Verlust von nahezu 10.000 Verkäufen. Überdurchschnittlich schwach sei der Diesel mit minus 8,7 Prozent auf 157.932 (Vorjahr: 172.992) Zulassungen nachgefragt gewesen. In welchen Volumina die Diesel-Rückgänge auf die Abgas-Manipulationen oder das zunehmende "Anti-Diesel-Klima" zurückzuführen seien, könne nicht ermittelt werden.

189.047 (Vorjahr: 182.684) Benziner und damit eine Steigerung von 3,5 Prozent stünden in der Jahres-Bilanz. Dabei sei auffällig, dass auch der Benziner in den letzten vier Monaten des Autojahres Minuszahlen geschrieben habe. Das kumulative Plus sei also "das Polster der guten acht Monate"

Höhere Durchschnittspreise

Die durchschnittlichen Preise für neue und gebrauchte Pkw haben sich nach Bleys Angaben "kräftig nach oben verändert". Der Neuwagenpreis kletterte im Durchschnitt um drei Prozent auf 29.900 (Vorjahr: 29.030) Euro bei einer Preiserhöhung von rund 1,4 Prozent. Für einen Gebrauchtwagen habe man im Durchschnitt knapp neun Prozent mehr bezahlen müssen. Dieser Preisanstieg auf 11.630 (Vorjahr: 10.680) Euro sei mehrheitlich auf die Kundenwünsche nach jungen und gut ausgestatteten Gebrauchten zurückzuführen. Bley: "Fast jeder Vierte war ein Junger unter einem Jahr."

Mehr private Käufer

Wenn man das Ergebnis der Pkw-Neuzulassungen analysiere, erkenne man einen steigenden Anteil privater Käufer. In Niedersachsen seien dies statistisch 123.504 Privatkäufer. Trotz der Gesamtverluste habe das Segment der Privatkunden auf dem Niveau des Jahres 2015 gehalten werden können. "Der Rest oder besser die Mehrheit der Pkw-Neuzulassungen sind gewerbliche Zulassungen, Flottengeschäft, Vermieter und natürlich Hersteller und auch Handel mit Eigenzulassungen“, sagte Bley.

Die Enttäuschung des Jahres sei das Zulassungsergebnis für Elektro-Pkw. 1.010 (Vorjahr: 1.020) Stromer seien erstmals zugelassen worden. Dies habe den Länderanteil Niedersachsens am Bundesergebnis auf 8,3 (Vorjahr: 15,9) Prozent nahezu halbiert. Bley: "Der Automarkt hat in diesem Segment enttäuscht". Zum Jahresstart sei eine kleine "Veränderung nach oben" zu registrieren. Im Januar seien 93 (Vorjahr: 50) Elektro- und 464 (Vorjahr: 188) Hybrid-Pkw neu zugelassen worden. Prämien habe es im Januar 85 für Elektro- und 82 für Hybrid-Fahrzeuge gegeben. Insgesamt seien in Niedersachsen bis Ende Januar 1.023 Prämien für Elektro- und Hybrid-Fahrzeuge abgerufen worden.

Talfahrt bei Gas-Pkw

Abwärts sei es im Jahresergebnis auch für die neuen gasbetriebenen Pkw gegangen. 927 (Vorjahr: 1.675) derartige Pkw seien verkauft worden. Dies seien Rückgänge von rund 45 Prozent. Einer der Gründe für die Minuszahlen im Segment der Gas-Fahrzeuge sei die noch fehlende gesetzliche Absicherung der Steuererleichterung für Autogas über das Jahr 2018 hinaus gewesen, sagte Bley mit Verweis darauf, dass eine Verlängerung der Energiesteuerermäßigung bis 2025 im schwarz-roten Koalitions­vertrag vereinbart worden sei. Nach dem Beschluss des Bundeskabinetts vom Mittwoch der Vorwoche, die Steuervorteile für Autogas bereits ab dem kommenden Jahr auslaufen zu lassen, befürchte das Kfz-Gewerbe einen Markteinbruch.

Private investieren 12,7 Milliarden Euro

Private Autokäufer haben in Niedersachsen im vergangenen Jahr den Angaben Bleys zufolge 12,7 Milliarden Euro ausgegeben. Dies sei eine Steigerung um acht Prozent. Vor allem im Gebrauchtwagen-Markt erkenne man "die neue Lust am neuen Auto", denn dort seien die Ausgaben um 10,1 Prozent auf 9,01 Milliarden Euro geklettert. Während beim Gebrauchtwagenkauf 66 Prozent der Kaufsumme aus Eigenmitteln bestanden habe, benötigten lediglich 21 Prozent der Neuwagenkunden keine Finanzierung. Bley: "Diese Erkenntnisse aus dem DAT-Report unterstreichen die Bedeutung der Finanz-Dienstleistungen im Autohaus."

Altersstruktur stabil

Der Neuwagenmarkt bleibe in "älterer Hand". 62,6 Prozent der Käufer seien älter als 50 Jahre. Das Segment der Jungen (bis 29 Jahre) bleibe stabil mit 6,9 Prozent. Nur marginal habe sich der Anteil der Kundinnen verändert. 33,9 (Vorjahr: 33,7) Prozent waren Neuwagen-Käuferinnen.

Für den Anstieg der privaten Käufe nannte Bley drei Gründe. Autofahrer hätten 2016 erstens wegen der niedrigen Rohölpreise so günstig getankt wie seit sieben Jahren nicht mehr. Im Jahresmittel hätten sie für einen Liter Super E10 rund 1,28 Euro bezahlen müssen. Zweitens seien die Zinsen unverändert auf Tiefständen gewesen, so dass die Finanzierung der Autokäufe attraktiv gewesen sei. Und letztlich seien die attraktiven Angebote des Handels bei neuen und gebrauchten Pkw eine Kauf-Verlockung gewesen für ein jüngeres oder neues Fahrzeug.

Privat-Markt verliert erneut

Der niedersächsische Gebrauchtwagenmarkt sei auf dem hohen Niveau des Vorjahres erneut gewachsen. Plus 1,1 Prozent auf 815.662 (Vorjahr: 806.670) Besitzumschreibungen bestätigten die Dynamik des Geschäftes mit gebrauchten Pkw. In absoluten Zahlen sei dies ein Plus von rund 9.000 Fahrzeugen. Der Fachhandel habe seine starke Führungsposition weiter ausbauen können, während der Privatmarkt auf einen Marktanteil von 32 (Vorjahr: 39) Prozent abgerutscht sei. Der Markenhandel sei der Gewinner mit einem Marktanteils-Gewinn von sechs Prozentpunkten auf 48 Prozent. Der reine Gebrauchtwagenhandel habe sich um einen Prozentpunkt auf 20 Prozent verbessert.

Besonders deutlich würden die Verluste des Privatmarktes in den Umsatzzahlen. Minus 15,4 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro stünden in der Bilanz. Hingegen habe der Fachhandel um 17,3 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro gewonnen.

Den rund 123.000 Neuwagen-Privatkunden stünden knapp 774.879 (Vorjahr: 766.000) private Gebrauchtwagen-Käufer gegenüber. Lediglich fünf Prozent der Kunden im Gebrauchtwagen-Markt seien gewerblich. Die wachsende Bedeutung des Gebrauchtwagen-Marktes spiegele sich in der Relation von einem Neuwagen- zu sechs Gebrauchtwagenkäufen eindrucksvoll wieder.

Lkw-Markt mit Steigerungen

Mit den Worten "Die dynamische Nutzfahrzeugkonjunktur spiegelt die derzeit gute gesamtwirtschaftliche Lage wider" verwies Bley auf das Lkw-Geschäft in Nieder­sachsen, das ein Plus von 11,3 Prozent erreicht habe. Der Umsatz sei auf 736 Millionen Euro gestiegen. Der deutsche Nutzfahrzeugmarkt habe sich insgesamt stark entwickelt. Die Neuzulassungen seien um sieben Prozent auf 357.300 Einheiten und damit auf ein neues Rekordniveau gestiegen.

Bei leichten Nutzfahrzeugen bis 6 Tonnen stünde in Deutschland eine Steigerung um acht Prozent auf 264.500 Einheiten in der Bilanz. Damit habe der Transporter-Markt ebenfalls einen neuen Rekordwert erzielt. Der Transportermarkt profitiere weiter vom prosperierenden Onlineversandhandel.“

Neben leichten und schweren Lkw seien auch Busse weiter stark gefragt gewesen. Ihr Absatz sei 2016 um neun Prozent auf 6.700 Fahrzeuge gestiegen. Für Niedersachsen schätze man rund 700 Neuzulassungen. Das ist der höchste Stand seit mehr als 20 Jahren. Die Liberalisierung des deutschen Fernbusmarktes habe dem Bus als umweltfreundlichem Verkehrsträger auf der Langstrecke zu einem Aufschwung verholfen.

Service ein Aktivposten

Der Aktivposten in der Jahresbilanz des niedersächsischen Kfz-Gewerbes sei neben dem expansiven Gebrauchtwagen-Geschäft vor allem der Service, der nach einer schwachen Phase in 2015 "kräftig nachgeholt hat". Czychy sagte, pro Betrieb sei das Auftragsvolumen bundesweit um 11,5 Prozent auf 1.864 (Vorjahr: 1.672) Aufträge gewachsen. Gleichermaßen habe es Pluszahlen beim durchschnittlichen Wartungs­aufwand um 30 Euro auf 265 Euro und bei den Reparaturarbeiten um neun Euro auf 171 Euro gegeben. Preissteigerungen im Service, auch durch die tariflichen Erhöhungen, betrügen rund drei Prozent.

In Niedersachsen seien rund 7,25 (Vorjahr: 6,5) Millionen Aufträge im automobilen Service erteilt worden. Drei Gründe sprächen für diese dynamische Entwicklung. Die höhere Jahresfahrleistung auf 15.320 (Vorjahr: 14.470) Kilometer, das auf 10,1 Jahre gestiegene Fahrzeugalter und die "Wartungs-Pause" des Jahres 2015. Im Service habe es einen Nachholbedarf gegeben.

Ausbildungs-Bilanz

"Wir sind für den Service der Zukunft gut aufgestellt." Mit diesen Worten legte Bley die niedersächsische Ausbildungsbilanz vor.

Das niedersächsische Kfz-Gewerbe verbuchte den Angaben Bleys zufolge eine wechselvolle Ausbildungsbilanz. Nachdem im vergangenen Jahr nicht alle Ausbildungsplätze besetzt werden konnten, sei das Interesse für die Auto-Berufe in diesem Jahr deutlich gestiegen. 3,7 Prozent Plus bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen für Kfz-Mechatroniker und 9,9 Plus beim Automobil­kaufmann/-frau seien positiv. Dies entspreche 2.580 neuen Mechatronikern und 534 neuen Kaufleuten. Hinzu kämen noch 258 Fahrzeug-Lackierer.

In diesem Zusammenhang sagte Bley, das Thema Elektromobilität stehe "vielfach unbemerkt von der großen Öffentlichkeit" im Fokus der Unternehmen des Kfz-Gewerbes. "Jedes Elektro-Auto kann heute von uns gewartet werden“, sagte Bley. Das moderne Berufsbild sei Grundlage der Arbeiten an Elektro-Fahrzeugen. Bereits heute sei die Branche gut aufgestellt, denn für den Service an Hochvoltanlagen gebe es die Ausbildung und Weiterbildung. Bley erinnerte daran, dass die Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker in fünf Ausbildungsschwerpunkten erfolge. Neben den bereits bekannten Gebieten Pkw-, Nutzfahrzeug- oder Motorradtechnik stünden zusätzlich System- und Hochvolttechnik sowie Karosserietechnik zur Wahl.

„Dieses Berufsbild ist die richtige Antwort auf die rasante Entwicklung der Fahrzeugtechnik, der alternativen Antriebsarten, neue Leichtbauwerkstoffe und moderne Reparaturmethoden für Karosserien machen eine Neuordnung des Berufsbildes notwendig“, sagte Bley.

Mehr müsse für dieses Arbeitsgebiet der Hochvolttechnik aber für die Überbetrieblichen Ausbildungsstätten und Berufsschulen getan werden. Der Gesetzgeber sei gefordert, die Ausstattung für die Ausbildung für den Service an Elektro-Fahrzeugen deutlich zu verbessern. Ziel in der Branche müsse es mittelfristig sein, dass es in jedem Betrieb einen ausgebildeten Mitarbeiter für die Elektro-Fahrzeuge gebe.

Gegen Fahrverbote für Diesel

Die negativen Diskussionen über den Diesel hätten deutliche Spuren sowohl in den Statistiken als auch im Käuferverhalten hinterlassen. Der Dieselskandal im VW-Konzern, die Diskussion um die Blaue Plakette und das diskutierte generelle Verbot hätten zu einer Verunsicherung der Käufer geführt. "Ob und wann es eine Blaue Plakette gibt und wie sich das dann auf die Bewegungsfreiheit von Dieselmodellen auswirken wird, kann heute niemand seriös beantworten“, sagte Landespresse­sprecher Joachim Czychy.

Die Branche sehe mit Sorge die immer wieder auflodernden Forderungen nach Fahrverboten in den Innenstädten. Das Kfz-Gewerbe sei gegen ein generelles Fahrverbot für Diesel-Fahrzeuge. Czychy: "Restriktionen, zum Beispiel für ältere Diesel, müssen mit Augenmaß und vor allem mit Übergangsfristen erfolgen".

Manche Experten beschwörten sogar schon das Ende des Selbstzünders herauf. Das Kfz-Gewerbe sei der Auffassung, dass es "ohne Diesel nicht geht". Letztendlich garantierten Diesel-Motoren nach wie vor einen geringen Verbrauch und damit auch niedrige CO2-Werte. 2021 müssten die von der EU vorgeschriebene CO2-Vorgabe von 95 Gramm pro Kilometer eingehalten werden. Man müsse ein großes Fragezeichen setzen, ob diese Grenzwerte ohne Diesel zu erreichen seien.

Autoabgase besser messen

Autoabgase müssen den Worten Czychys zufolge genauer gemessen und Fahrzeuge mit unzulässig hohen Emissionen identifiziert werden. Zielführend sei eine "moderne Abgasuntersuchung", die auch Stickoxide messen könne. Gleichermaßen müsse über realistische Messwerte gesprochen werde. Das niedersächsische Kfz-Gewerbe plädiere mit Nachdruck für eine "schnelle modernisierte Abgasuntersuchung". Die Initiative von Bundesverkehrsminister Dobrindt für eine Messung am Endrohr sei zu begrüßen.

Die Abgas-Gesetzgebung sei in Bewegung. Die EU plane nämlich Feinstaub-Obergrenzen, die sich laut offiziellen Angaben nur mit Filtern einhalten ließen. Vertreter der EU-Mitgliedsstaaten hätten die Regelungen zu den Real Driving Emissions (RDE) noch einmal schärfer gefasst und sich darauf geeinigt, dass ab September 2017 bei Neuhomologationen auch die Partikelemissionen im realen Fahrbetrieb gemessen und bewertet würden, berichtete Bley. Ursprünglich sei geplant gewesen, lediglich Stickoxide und Kohlenmonoxid zu messen. Die zweite Verschärfung: Für alle Neuzulassungen sollen diese Regelungen schon ab September 2018 gelten. Dies wäre ein Jahr früher als bisher bekannt.

Höhere Steuern kommen

Käufer von Neuwagen müssten sich von September 2018 an auf höhere Kfz-Steuern einstellen. Dann sollen EU-Vorgaben für realistischere Abgastests greifen und die dann ermittelten Kohlendioxid-Emissionen bei der Berechnung der Kfz-Steuer einfließen. Dies könne nach Darstellung des Bundesfinanzministeriums für einige ab dann neu zugelassene Pkw zu Mehrbelastungen führen, aber möglicherweise auch zu geringeren Abgaben.

Ähnliches gelte, wenn ab September 2017 das neue Prüfverfahren für den Kraftstoff-verbrauch von Pkw eingeführt werde. Dann nämlich könnten sich Autokäufer über realistischere Angaben zum Verbrauch ihrer Fahrzeuge freuen. Aufgrund der voraussichtlich höheren Verbrauchswerte aus der CO2-basierten Kfz-Steuer sei für einige aber auch mit Mehrkosten zu rechnen. Die Zusatzeinnahmen für den Finanzminister würden laut Medienberichten bis 2022 auf rund 1,1 Milliarden Euro geschätzt.

Der neue Messzyklus soll im Herbst 2017 zunächst für alle neu auf den Markt gebrachten Pkw gültig sein, ein Jahr später solle er auf alle Neuzulassungen angewandt werden. Bley sagte, weitere finanzielle Belastungen der Autofahrer dürften nicht durch die Umwelt-Tür kommen.

Führerschein mit 16?

Nach den Diskussionen beim Verkehrsgerichtstag in Goslar zum Führerschein mit 16 Jahren erinnerte Czychy daran, dass es im Jahr 2004 in Niedersachsen den ersten Modellversuch für den Führerschein mit 17 gegeben habe. Mittlerweile sei daraus bundesweit ein großer Erfolg geworden. Wer mit 17 die Fahrerlaubnis erwerbe und zunächst nur in Begleitung eines Erwachsenen fahren dürfe, der baue später deutlich weniger Unfälle, wenn er ab 18 alleine unterwegs ist.

Wegen dieses positiven Effekts des begleiteten Fahrens forderten Experten beim Verkehrsgerichtstag in Goslar, den Führerschein sogar schon mit 16 zu erlauben. Auf Grund der positiven Erfahrungen unterstütze das Kfz-Gewerbe einen Vorstoß des niedersächsischen Fahrlehrerverbandes, der den Führerschein mit 16 ins Gespräch gebracht habe. Czychy appellierte an die Versicherungswirtschaft, dieses Projekt derart zu unterstützen, "dass der Einstieg in die Mobilität mit bezahlbaren Prämien erleichtert wird".

Breite Autos - breite Plätze

Autostellplätze müssten den modernen Fahrzeugdimensionen angepasst werden. Seit den 70er-Jahren würden Autos bekanntlich immer breiter. Ein Beispiel sei der VW Golf, der seit seiner Einführung 1974 rund 17 Zentimeter in der Breite zugelegt habe. Richtwerte für die Bauplanung von Stellplätzen hätten sich in dieser Zeit kaum geändert.

Und noch ein Auto-Thema beschäftige tagtäglich viele Menschen: die Breite der Parkplätze. Czychy forderte dem Beispiel Kölns zufolge. Dort habe man, mit dem Parkhaus am Dom beginnend, eine Breite von 2,65 Meter vorgesehen. Im Nachbarland NRW sei seit Jahresbeginn bei Neubauten 2,45 Meter Pflicht. Czychy: "Ein gutes Beispiel für Niedersachsen. Unsere Autos werden nämlich nicht kleiner."

Imagefilme für den Handel

Czychy berichtete ferner von einer neuen Imagekampagne für den Automobilhandel. Vor wenigen Tagen habe der erste einer Serie von Virtual-Reality-Filmen unter dem Titel "Deine Autohäuser" Premiere gefeiert. Die Kampagne wolle die Autohäuser als wichtige Mitspieler im Mobilitätswandel darstellen.

Die Filme richteten sich an Autofahrerinnen und Autofahrer und rückten deren Wünsche und Vorstellungen von Mobilität in den Mittelpunkt. Dabei gehe es um moderne Mobilitätsangebote und das Shoppingerlebnis Autokauf. So werde in kurzweiligen Geschichten über veränderte Ansprüche der Autofahrer berichtet und wie Autohäuser diese heute schon erfüllen. Zu den Themen gehören unter anderem Carsharing, Probefahrt und E-Mobilität. Der Handel wolle damit auch gegen das Internet punkten.

Die Filme sollen darstellen, wie Autohäuser als Mittler der Autohersteller oder auch aus eigenen Ideen heraus innovative Konzepte für ihre Kunden umsetzen. "Dabei bringen sie nicht nur der Öffentlichkeit einen fortschrittlich aufgestellten Autohandel näher, sondern sind gleichzeitig Ideengeber für den Handel selbst", sagte Czychy. Der erste Spot sei bereits online unter www.deine-autohaeuser.de.

Fragezeichen hinter Prognose

Zu den konjunkturellen Erwartungen des Kfz-Gewerbes sagte Bley, Fragezeichen gebe es nicht allein durch steigende Kraftstoff-Preise. Bley: "Die Zeit der billigen Tankstelle ist vorbei." Die politischen Rahmenbedingen seien schwer abzuschätzen. Die Erfahrung des Autojahres 2016 zeige, dass Verborts-Debatten gegen den Diesel "Gift für die Zulassungszahlen" seien. Gleichermaßen sollten die zu Jahresbeginn gemeldeten Kaufkraftverluste nicht unterschätzt werden.

Die Mehrheit der Autohändler rechne einer Umfrage zufolge dennoch mit einer positiven Entwicklung ihres Geschäfts in diesem Jahr. Fast zwei Drittel (64,1 Prozent) erwarteten 2017 stabile oder steigende Umsätze. Der Handel sei damit optimistischer als noch im Vorjahr. Dies bestätige einmal mehr das Phänomen, die Lücke zwischen der subjektiv empfundenen eigenen Situation und objektiven Wirtschaftsperspektive.

Für den niedersächsischen Automarkt gehe der Verband von stabilen Zulassungszahlen und Besitzumschreibungen aus. Rund 360.000 neue und 810.000 gebrauchte Pkw seien die Marken im Autojahr 2017, in dem der Service auf hohem Niveau leicht zulegen könnte. Optimistisch stimme der im Januar drei Prozent über dem Vorjahresergebnis liegende Auftragseingang für neue Pkw. Bley: "Das gute 2016er Ergebnis führt nicht zu Übermut. Der Dämpfer zu Jahresbeginn zeigt die Unwägbarkeiten. Wir kennen Chancen und Risiken des Autojahres 2017." 

Letzte Änderung: 07.03.2017Webcode: 0110783