Plus in allen Geschäften

Jahrespressekonferenz in Bremen zu Branchenthemen mit der Geschäftsführung der Kfz-Innung Bremen Ingo Beilmann, Obermeister Hans Jörg Koßmann, Präsident des Kfz-Gewerbes Karl-Heinz Bley und dem Geschäftsführer des Landesverbandes Christian Metje (v.l.).
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Gesamtumsatz steigt auf 1,8 Milliarden Euro - Gebrauchte Pkw und Service Gewinner - Auftragsplus im Service - Kfz-Gewerbe erhöht Marktanteil deutlich - Diesel-Diskussion ohne Auswirkung -  Höhere Durchschnittspreise für neue und gebrauchte Pkw - Autohäuser und Werkstätten vor großen Veränderungen - Gute Ausbildungs-Bilanz

Bremen. Der Automarkt an der Weser hat sein bestes Autojahr seit dem Umwelt-Prämien-Jahr 2009 verbucht. Mit einem Plus von 8,2 Prozent auf 1,75 Milliarden Euro erreichte der Gesamtumsatz aus dem Verkauf neuer und gebrauchter Pkw und Lkw sowie dem Service eine neue Rekord-Marke. "Wir sind zufrieden. Das war ein starkes Autojahr“, bilanzierten Karl-Heinz Bley, Präsident des Landesverbandes Niedersach­sen-Bremen im Deutschen Kfz-Gewerbe, und Obermeister Hans Jörg Koßmann. Be­sondere Aktiva seien das Gebrauchtwagengeschäft mit einem Umsatzplus von 6,5 Prozent und der Service mit Zuwächsen von 5,2 Prozent gewesen. Gegen den Trend und gegen eine "breite Meinung auch in Bremen" habe der Diesel zugelegt. Bley sieht zuversichtlich in das neue Autojahr, nachdem im Januar ein "fulminanter Zuwachs von fast 19 Prozent" verbucht worden sei. Auch im Gebrauchtwagen-Markt habe es im Januar mit plus 9,9 Prozent starke Zuwächse gegeben.

Bley verwies auf die Umsatz-Steigerungen mit dem Hinweis, dass dies an den großen Marktanteilsgewinnen des Fachhandels im Gebrauchtwagenmarkt, an den höheren durchschnittlichen Preisen für neue und gebrauchte Pkw sowie an den unerwartet positiven Entwicklungen im Service und Nutzfahrzeug-Geschäft. Wörtlich: "Das war ein starkes Autojahr."

Der Gesamtumsatz an der Weser in Höhe von 1,8 Milliarden Euro resultiere aus dem Neuwagenverkauf mit 811,9 Millionen Euro, dem Gebrauchtwagen-Markt mit 591,9 Millionen Euro, dem Nutzfahrzeug-Verkauf mit 102,3 Millionen Euro und dem Service mit 245,2 Millionen Euro. Das Kfz-Gewerbe habe seinen Anteil auf 78,5 (Vorjahr: 74,7) Prozent oder 1,4 Milliarden Euro ausbauen können.

Überdurchschnittlich habe der Neuwagenmarkt zugelegt. Das Plus von 7,2 Prozent auf 27.155 Pkw-Neuzulassungen habe zwei Gründe: eine Zunahme der privaten Käufe und eine Zunahme der Hersteller-Effekte. Gegen den allgemeinen Trend ist den An­gaben Bleys zufolge der Diesel an der Weser gewachsen. 14.073 Neuzulassungen sei­en ein Plus von 7,6 Prozent. Bundesweit habe es nahezu eine Stagnation gegeben. Bley warnte vor "weiteren hitzigen Debatten um Fahrverbote für Diesel" und vor al­lem vor Verboten. Der Verbraucher wolle Sicherheit beim Autokauf, mit dem er auch die Mobilität in den Innenstädten verbinde.

Wenn man das Ergebnis der Pkw-Neuzulassungen analysiere, erkenne man einen steigenden Anteil privater Käufer. In Bremen seien dies statistisch 9.504 (Vorjahr: 8.667) Privatkäufer. "Der Rest oder besser die Mehrheit der Pkw-Neuzulassungen sind gewerbliche Zulassungen, Flottengeschäft, Vermieter und natürlich Hersteller und auch Handel mit Eigenzulassungen“, sagte Bley.

Mehr private Käufer

Private Autokäufer hätten 846 Millionen Euro für den Kauf neuer und gebrauchter Pkw ausgegeben. Dies sei eine Steigerung um 14 Prozent. Auch im Gebrauchtwa-gen-Markt erkenne man "die neue Lust am neuen Auto", denn dort seien die Ausga­ben ebenso hoch um 14,6 Prozent auf 562 Millionen Euro geklettert. Während beim Gebrauchtwagenkauf 66 Prozent der Kaufsumme aus Eigenmitteln bestanden habe, benötigten lediglich 21 Prozent der Neuwagenkunden keine Finanzierung. Bley: "Diese Erkenntnisse aus dem DAT-Report unterstreichen die Bedeutung der Finanz-Dienstleistungen im Autohaus."

Die Enttäuschung des Jahres sei das Zulassungsergebnis für Elektro-Pkw. 51 (Vorjahr: 49) Stromer seien erstmals zugelassen worden. Dies habe den Länderanteil Bremens am Bundesergebnis auf 0,44 Prozent stabilisiert. Auch die Elektro-Prämie sei für den Automarkt an der Weser keine Erfolgsgeschichte. Bis zum 1. Februar 2017 seien 66 Prämien, davon 32 für reine Stromer, abgerufen worden. Dies seien 0,6 Prozent.

Stabile Altersstruktur

Der Neuwagenmarkt bleibe in "älterer Hand". 62,6 Prozent der Käufer seien älter als 50 Jahre. Das Segment der Jungen (bis 29 Jahre) bleibe ebenso stabil mit 6,9 Prozent. Nur marginal habe sich der Anteil der männlichen und weiblichen Kunden verändert. 33,9 (Vorjahr: 33,7) Prozent waren Neuwagen-Käuferinnen.

Für den Anstieg der privaten Käufe im Neuwagengeschäft nannte Bley drei Gründe. Autofahrer hätten 2016 erstens wegen der niedrigen Rohölpreise so günstig getankt wie seit sieben Jahren nicht mehr. Im Jahresmittel hätten sie für einen Liter Super E10 rund 1,28 Euro bezahlen müssen. Zweitens seien die Zinsen unverändert auf Tiefständen gewe­sen, so dass die Finanzierung der Autokäufe attraktiv gewesen sei. Vor allem aber ha­be der älteste Fahrzeugbestand bundesweit dafür gesorgt, dass der Ersatzbedarf spürbar belebt worden sei.

Wachstum im Fachhandel

Der Gebrauchtwagen-Markt insgesamt habe ein Minus von 0,6 Prozent auf 50.891 Besitzumschreibungen verbucht. Im Jahresvergleich seien in Bremen trotz des leich­ten Verlustes im Gesamtmarkt rund 3.300 Gebrauchte im Fachhandel mehr verkauft worden. Insgesamt 34.606 Besitzumschreibungen. Ein Jahr zuvor seien es 31.234 Ver­käufe gewesen. Bley: "Zuwächse von knapp 11 Prozent."

Verlierer sei wie im Vorjahr der Privatmarkt, der noch 16.285 Gebrauchtwagen ver­kaufte. Ein Minus von knapp 3.700 Fahrzeugen. Das werde auch in den Umsatzzahlen deutlich. Der Privatmarkt verbuchte Bleys Angaben zufolge noch 116 nach 140 Milli­onen Euro. Der Fachhandel, also Marken- und reiner Gebrauchtwagen-Handel, habe 476 nach 419 Millionen Euro Umsatz erzielt. Der Marktanteil sei auf 68 Prozent, sie­ben Prozentpunkte mehr, geklettert.

Talfahrt bei Gas-Pkw

Abwärts sei es im Jahresergebnis auch für die gasbetriebenen Pkw gegangen. 60 (Vorjahr: 87) derartige Pkw seien verkauft worden. Einer der Gründe für die Minuszah­len im Segment der Gas-Fahrzeuge sei die noch fehlende gesetzliche Absicherung der Steuererleichterung für Autogas über das Jahr 2018 hinaus, sagte Bley mit Verweis darauf, dass eine Verlängerung der Energiesteuerermäßigung bis 2025 im schwarz-roten Koalitionsvertrag vereinbart worden sei. Nach dem Beschluss des Bundeskabinetts vom Mittwoch der Vorwoche, die Steuervorteile für Autogas bereits ab dem kommenden Jahr auslaufen zu lassen, befürchte das Kfz-Gewerbe einen Markteinbruch.

Umsatz-Plus im Service

"Der Service ist ein großer Aktivposten in unserer Jahresbilanz“, zog Hans Jörg Koß­mann eine Bilanz für den automobilen Service. Der Umsatz sei von 233 auf 245 Milli­onen Euro gestiegen. Dies sei ein Plus 5,2 Prozent. Das Auftragsvolumen sei um 11,3 Prozent auf 445.000 Aufträge gewachsen. Im Jahr zuvor habe es knapp 400.000 Auf­träge gegeben.

Ebenso gebe es erhöhte Aufwendungen bei der durchschnittlichen Wartung um 30 Euro auf 265 Euro und bei den Reparaturarbeiten um neun Euro auf 171 Euro. Die Preissteigerungen im Service, auch durch die tariflichen Erhöhungen, betragen rund drei Prozent.

Koßmann nannte drei Gründe für die dynamische Entwicklung bei Wartungsarbeiten und Verschleißreparaturen. Die höhere Jahresfahrleistung auf 15.320 (Vorjahr: 14.470) Kilometer, das gestiegene Fahrzeugalter auf 10,6 Jahre in Bremen - Bund = 9,3 - und die "Wartungs-Pause" des Jahres 2015. Alle drei Faktoren hätten in einem starken Nachholbedarf gemündet.

Schatten-Wirtschaft

Ein Schatten falle auf die Service-Bilanz. Dies sei der Anstieg der Schwarzarbeit. Rund 40.000 Aufträge gingen durch Do it-Yourself und die Schattenwirtschaft im vergan­genen Jahr für die bremischen Servicebetriebe verloren. Dies sei ein Anstieg von im­merhin rund 10.000 Aufträgen.

Ausbildungs-Bilanz

Das Kfz-Gewerbe in Bremen und Bremerhaven freue sich über eine positive Ausbil­dungsbilanz, nachdem man ein Jahr zuvor spürbare Probleme bei der Besetzung von Ausbildungsplätzen gehabt habe. Koßmann berichtete von einem überdurchschnittli­chen Plus beim Kfz-Mechatroniker in Bremen. 195 neu abgeschlossene Ausbildungs­verträge seien ein Zuwachs von 8,3 Prozent. Der Durchschnitt im Bund liege bei 3,4 Prozent. Beim Automobilkaufmann/-frau habe es auch Steigerungen gegeben. 36 junge Menschen lernten das Geschäft "rund ums Automobil". Dies seien sechs mehr als ein Jahr zuvor.

Für den E-Service

Der Obermeister der Kfz-Innung Bremen trat Behauptungen entgegen, man müsse sich ja auch langsam darauf vorbereiten, dass Elektromobile zum Service in die Werk­stätten kämen. "Wir sind vorbereitet. Wir haben nämlich frühzeitig mit der Weiterbil­dung "Arbeiten an Hochvolt-Anlagen" ein Projekt realisiert, das das Kfz-Gewerbe gut vorbereitet auf alle Facetten der Elektro-Mobilität dastehen lässt“, sagte Koßmann.

Das gemeinsame Branchenziel müsse es sein, die Aus- und Weiterbildung so zügig auszubauen, dass es in jedem Betrieb einen Mitarbeiter gebe, der für diese Arbeiten an Hochvoltanlagen und für den Umgang mit den Stromern aus- oder weitergebildet sei. Dies sei im markengebundenen Service bereits der Fall, in der Breite aller Betriebe gebe es noch Lücken. Diese zu schließen sei das kurzfristige Ziel der nächsten zwei bis drei Jahre.

Spuren im Service

Beim Blick in die Zukunft des Kfz-Gewerbes werde langfristig nicht allein die Elektro­mobilität ihre Spuren im Service hinterlassen. Ein um rund ein Drittel verringertes Ser­vicevolumen eines Elektro-Pkw im Vergleich zu einem Wagen mit Verbrennungsmo­tor werde in Studien ermittelt. Aber auch das autonome Fahren sei keine Illusion mehr. Daher müsse die Innung frühzeitig darauf hinweisen, dass das autonome Fah­ren die Unfallzahlen spürbar reduzieren und folglich die Zahl der Werkstatt-Aufträge reduzieren werde.

Koßmann sagte abschließend, die Digitalisierung und die Frage der Daten-Hoheit seien die wichtigsten Themen der nächsten Zeit, die die Branche spürbar verändern könnten. So wie sich das Produkt durch die Reise in die digitale Welt verändert habe und weiter verändern werde, sei auch beim Kunden der Veränderungsprozess in vol­lem Gang.

Kunden-Erwartungen

Der Kunde schreibe E-Mails, informiert sich online, rufe den Händler an oder hinter­lasse eine Nachricht mit Sozialen Medien. Im Marketingdeutsch sei daraus der Omni-Channel geworden. Konsumenten kauften nicht mehr entweder online oder offline, sondern würden beide Welten und mehrere Kanäle parallel verbinden: Websites, Ka­taloge, Vergleichsportale, Telefon und Apps für mobile Endgeräte. Dieser Service werde auch vom Kfz-Meisterbetrieb erwartet. Für Autohäuser und Werkstätten be­deute das, dass er Informationen über seine Kunden sammeln und analysieren müsse. Dafür aber benötige man einen gesetzlichen Rahmen, der aktuell in Brüssel eingefor­dert werde.

Erwartungen 2017

"Die Prognose für 2017, durchaus behaftet mit kleinen Fragezeichen, lautet 28.000 Pkw-Neuzulassungen und 51.500 Pkw-Besitzumschreibungen“, sagte Bley abschlie­ßend. Zusammen wären dies 79.500 Autokäufe mit einem Plus von knapp 2 Prozent. Auch im Service erwarte das Kfz-Gewerbe an der Weser "ein vorsichtiges Wachstum auf dem hohen Niveau".

Letzte Änderung: 23.02.2017Webcode: 0110875